Freitag, 14. September 2012

Hitze ade, Sapa wir kommen!

Dachten wir zumindest... allerdings stellte sich heraus, dass die versprochenen 10-15°C ausblieben - ja, darauf hatten wir uns sogar gefreut - und wir vor allem mit Sonne während des Tages immer noch fröhlich vor uns herschwitzten...Ich sagte doch, der spinnt, der Wetterfrosch. :D
Sapa ist ein kleiner Bergort ca. 360 km westlich von Hanoi und in 1650 Meter Höhe. Die Berge selbst erreichen Höhen von 2000-3000m hier. Das Dach Vietnams ist der Fansipan mit 3143m, für den man jedoch eine 3-Tages-Tour braucht - soviel Zeit wollten wir dann doch nicht einplanen, denn der Besuch von schönen Bergdörfern und eine Motorbike-Tour standen auch auf dem Plan. Aber nun von Anfang an:
Unsere Reise ging 3 Stunden nach Ankunft in Hanoi bereits weiter und zwar mit dem Nachtzug. Wir teilten uns ein 4er Abteil mit einem netten Pärchen aus Singapur. Die Kojen waren sehr schmal, da hatte ich dann doch ein bisschen Bammel vom Bett oben herunter zu purzeln.

In Sapa hatten wir das perfekte Zimmer gebucht: das "Family Guesthouse" lag ruhig am Rande der Stadt, direkt am Abhang. Unser Zimmer hatte Balkon mit traumhaften Ausblick über das Tal - falls sich die Wolken verzogen. Frühstück gab's in der Sky Bar mit Panoramablick.


 
Blick vom Balkon
 
Sapa ist neben seinen Bergen und saftig grünen Reisterrassen noch bekannt für seine Bergvölker - verschiedene kunterbunte Völkchen, die noch ihre eigene Sprache und Kleidung haben und in kleinen Dörfern rundum leben. Sie versammeln sich in Sapa, um dort ihre Souvernirs an Mann und Frau zu bringen, teilweise sehr hartnäckig. Zum Beispiel fangen sie ein Gespräch mit dir an - oft mit einem besseren Englisch als einige Vietnamesen - und folgen dir dann die ganze Zeit. Man muss es locker nehmen und lernen "nein" zu sagen... ja Martin, vor allem ich. ;) Ja Jana, das sind halt die typischen Vertrieblermaschen, echt schlimm, aber keine Angst, nur weil man etwas nicht kaufen möchte, heißt das noch lang nicht, dass ich den Unwilligen nicht mag. Und ein schlechtes Gewissen macht dir immer nur der, der damit unzufrieden ist, dass du net machst, was er will. Aber stimmt schon, die eine Frau hatte es wirklich drauf. Wie man so fordernd und dennoch freundlich zugleich sein kann. Es ist eben wie mit kleinen Kindern, wenn die etwas ganz unbedingt wollen, schrecken sie vor nix zurück..schon garnicht davor dem anderen ein schlechtes Gewissen zu verpassen..;)
 
Am ersten Tag unternahmen wir nur einen kleinen Ausflug ins Cat Cat Village, welches von den Hmong bewohnt wird und nahe an Sapa liegt, so dass man es zu Fuß einfach erreicht. Wir waren etwas geschockt, als wir an einem Ticketschalter 80000 Dong teuren Wegezoll zahlen mussten (etwa 3€) und die kleine Straße dann über eine Art Steinbruch und Müllhalde zugleich führte. Nachdem wir dann aber im Tal angekommen waren, wurde die Straße zu einem kleinen Pfad entlang eines Flusses, vorbei an einem Wasserfall und dann durch Reisfelder und hübsche Holzhüttchen mit spielenden Kindern davor wieder bergauf. Sehr schön und wegen etwas Regen und der Mittagszeit auch wenig touristisch.
 

 
 
Wer schon mal im Tropenhaus in Jena war, kennt bestimmt das vogelähnliche zwitschernde Geräusch der Frösche dort - so sehen die Guten aus. ;)
 
Nachmittags schlenderten wir dann noch durch Sapa über den vietnamesischen und Bergvölker-Markt, ich natürlich bewaffnet mit meinem Teleobjektiv. ;)
 
 
Hmong-Mädchen auf dem Sonntagsmarkt der Bergvölker


Ähm, soll man die essen?!
 
Der zweite Tag begann sonnig, jedoch warteten wir früh noch auf Julia und Johannes (Jojo), einem deutschen Pärchen, das wir auf Cat Ba Island im Bungalow Resort in der Halong Bay kennengelernt haben. Julia studiert übrigens in Jena und Jojo in Dresden. :) Zusammen mieteten wir uns dann zwei Motorräder für den Tag. Die Männer fuhren oder besser gesagt rasten ;), wir Mädels saßen dahinter und fotografierten fleißig mit unseren Spiegelreflexkameras. Es ging hoch hinaus, über einen Pass (die besagten Silver Waterfalls waren uns zu touristisch und ließen wir aus) und dann ins Tal. Nach einiger Zeit war Ende der Ausbaustrecke und es ging auf huckeligen steinigen Pisten weiter hinab. Nach einer kurzen Fotopause der Schock: Jule und Jojo's Motorrad sprang nicht mehr an. Die Vietnamesen, die wir alle anhielten, konnten uns leider auch nicht weiterhelfen, sondern nur mit Händen und Füßen klarmachen, dass wir weiter hinab ins Tal fahren bzw. rollen sollten, um dort eine Werkstatt aufzusuchen. Leichter gesagt als getan - das Rollen war ja sehr spritsparend und kein Problem. Allerdings wurden wir bei jedem Stopp weitergeschickt und irgendwann war dann Schluss mit dem Berg. Martin und ich fuhren also voran und versuchten unser Glück. Da wir aber fernab vom Tourismus und mitten auf dem Land waren, konnte natürlich niemand mehr Englisch und somit hatte Martin die super Idee Tung anzurufen als unseren Übersetzer. :) Hat auch super geklappt und letztlich waren Jule und Jojo auch nur einen kleinen Berg von der Werkstatt entfernt. Nach 5 Minuten war das Problem gelöst - irgendwas mit der Batterie - und es konnte weitergehen. No risk, no fun! :D Wir waren natürlich eine riesige Attraktion und vor allem die kleinen Kinder freuten sich immer, wenn wir ihnen zuwinkten. Unser Benzin reichte dann zum Glück noch für die lange Fahrt zurück und die vielen hunderte Höhenmetter hinauf. Zurück in Sapa machten Martin und ich dann auch noch einen kleinen Abstecher in die andere Richtung durch ein schmales Tal mit tollen Reisterrassen.

 
Da soll es lang gehen - juhuu!!!
 
 
die Motorrad-Gang
 
 
 
Die Stimmung auf den Bergen war so eine Mischung aus Cliff Hanger und Rambo - Frist Blood, für alle die damit jetzt nichts anfangen können, Berge und Urwald sind einfach ein unschlagbar romantisch-mystische Naturschauspielkomposition. Und so fälllt es nicht schwer, sich beim Heraufdonnern der Geländewagen, dem aufwirbelnden Staub der Schotterpisten und dem Hinuntersägen mit den Motorollern wie in einem OldSchoolHollywoodStreifen zu fühlen. Vielleicht hätte ich doch Schauspieler werden sollen, dass kann unmöglich Arbeit sein. Vorallem, als ich dann mit Jojo zusammen austesten durfte, wobei dürfen das falsche Wort sein dürfte, denn unsere Damen waren sicherlich anders zu begeistern, was die Maschinen so drauf haben. Aber mal ganz ehrlich, das brauchen kleine Jungs nunmal und außerdem, wir haben es alle überlegt und das eine Stück da im Schlamm bei Regen und Matsch, die steile Linkskurve und die Neigung der Motorräder..das wird niemand so schnell vergessen..ok, das nächste mal nehmen wir etwas crosstauglichere Maschinen. :D



Die folgende Nacht hatten wir dann ein schockierendes Erlebnis. Gegen 3:30 schreckten wir beide aus dem Schlaf, geweckt durch ein lautes Brummen ähnlich einer Hornisse, die direkt neben deinem Ohr sitzt. Eine Art Käfer, ca. 7 cm groß mit scharfen Greifzangen, schoss durchs Zimmer und setzte sich dann vergnügt in unser (nicht genutztes) Moskitonetz über uns. Nach langem Zögern und Unentschlossenheit – mit vietnamesischen Riesenkäfern kennen wir uns ja nicht aus, der könnte ja gemeingefährlich und giftig sein – schaffte es schließlich die mutige Jana – ja, ich – den Käfer in einen leeren Kekskarton zu verfrachten und auf dem Balkon auszusetzen. Puh!

 
An unserem dritten und letzten Tag hatten wir eine Wandertour unseres Hostels gebucht. Es sollte durch Reisfelder und Bergvölker-Dörfer gehen. Unsere Reiseführerin war eine Hmong-Frau, die uns einiges zum Leben der Leute und zur derzeitigen Reisernte erzählen konnte. Drei weitere Hmong folgten uns – das ist hier Gang und Gebe – und versuchten zum Mittagessen ihre handgemachten Taschen und Tücher zu verkaufen. Leider alles überteuert. Unsere Gruppe aus 5 Reiselustigen (wir, 1 Holländerin Bettina und 2 Russen) ist jedoch stark geblieben! :)
Wir durchquerten 3 Dörfer unterschiedlicher Bergvölker: Lao Chai der Hmong, Ta Van der Dzai und Giang Da Chai der Red Dzao. In den Döfern selbst tragen übrigens viele der Bewohner schon keine Trachten mehr, sondern normale Kleidung. Das war ja mal wieder sowas von klar, alles nur für die lieben Touristen, wir sind doch keine Melkstation für den Finanzausgleich maroder vietnamesischer Privatkassen. :P Der Weg führte uns durchs Tal, entlang grün-goldener Reisterrassen, auf denen fleißig geerntet wurde, vorbei an Hunden und Wasserbüffeln (deren Aufgabe es übrigens ist, die Reste der abgeernteten Reispflanzen zu fressen – was für ein Leben) und schließlich durch einen Bambuswald zu einem Wasserfall. Die Kinder hier lernen übrigens schon frühzeitig das Handwerk eines Meisterverkäufers: ein Mädchen sperrte eine kleine Bambusbrücke und verlangte Geld (bekam 2000 Dong), ein anderer Junge bot Martin Geld für seinen Elchanhänger am Rucksack. Der kleine war wirklich harnäckig, nur hatte er sich scheinbar mit jemandem angelegt, der dies auch noch übertreffen konnte. ;) Dann unmittelbar vor dem Mittagessen gleich die Verkaufsgesprächsbelagerung. Eins müssen die Bergvölker wirklich noch lernen, wenn ich etwas verkaufen will, muss ich mich selbst verkaufen und net das Produkt und Aufdringlichkeit hilft da am wenigsten weiter. Man stelle sich mal vor, der Bäcker um die Ecke liefe einem bis nach Hause hinterher, nur um ein Stück Mohnkuchen noch an den Mann zu bringen, nachdem dieser schon 7 Stück verschiedenen Kuchen sich hat aufquatschen lassen. Irgendwann ist das Maß halt voll und nein, soviele Armreifen, wie sie gern verkaufen würden, dafür haben wir einfach zu kurze Arme. Aber gut, wir wollen mal nicht so sein, die tun ja auch nur ihren Job und das auch noch wahnsinnig freundlich. Irgendwie wirkt das beinahe etwas zynisch, aber viel zu symphatisch, als das man ihnen ihr Verhalten übel nehmen könnte. Das Wetter spielte auf jeden Fall den ganzen Tag mit und die Sonne zeigte sich oft. Sehr gelungene Tour!


 
 
 
So klein beginnt schon die Fahrschule hier. ;)
 

Es ist schon erstaunlich und bemerkenswert, wie schwer diese Feldarbeit bei den Temperaturen und Witterunsbedingungen sein muss und dennoch lächeln und strahlen ein gar so dermaßen freundlich an, dass jeder andere nur misstrauisch werden müsste. Außer man weiß um ihre Lebenseinstellung und Lebensfreude. Und sie erhalten sicherlich nicht das Geld dafür, was sie verdienen. Aber so wie man einen simplen Plüschelch nicht mit Geld kaufen kann, so ist dieses Geld ebensowenig ausreichend, jemanden glücklich zu machen.



Die Zeit in Sapa war also erlebnisreich und erholsam zugleich. Und so schön die Landschaft doch ist, waren wir nach 3 Tagen doch gut gesättigt und es konnte weitergehen. Gegen 18 Uhr fuhr unser (diesmal) Nachtbus zurück nach Hanoi. Der Zug ist dreimal so teuer und wir konnten auf der Hinfahrt auch nicht besser als im Bus schlafen. Jule und Jojo waren auch dabei und früh sollte es dann zusammen weiter nach Ninh Binh gehen. Aber dazu mehr im nächsten Post. :)

PS: Mal ein Update zur Timeline - wir liegen ein bisschen zurück: haben 2 Tage in Ninh Binh verbracht und sind jetzt zurück in Hue für 3 Tage. :)

PS2: Nicht nur dass die Jana auf gefährliche Käferjagd geht und sich todesmutig mit den schrecklichsten nur vorstellbaren Insektenwesen anlegt, nein sie wird allmälich zur Kakerlakenexpertin. Aber es ist schon gemein, wo die sich so verstecken. ;)


PS3: Einen 1000er für jeden, der herausbekommt, wer welche Textpassage hier verzapft hat. ;P


1 Kommentar:

  1. Wir sind wieder daaaa!!!! Endlich sind wir auch wieder auf dem Laufenden, was Eure Abenteuer betrifft.. und mal ehrlich, ohne uns gibt es ja keine Kommentare, echt schwach (das geht an die anderen Kommentatoren!) Während Paps sich erst mal über die Fußballergebnisse auf den aktuellen Stand bringen musste, habe ich die letzten Einträge genossen.... das hört sich alles soooo gut und spannend an. Da kann unser Spreewaldurlaub nicht mithalten, obwohl der auch ganz toll war :) Ach so, zu Eurer Preisfrage, wer im letzten Post die einzelnen Abschnitte verzapft hat: das kann ich Euch genau sagen, mache ich aber erst, wenn Ihr wieder da seid. Dann verrate ich auch, woran ich das erkenne, hi, hi....Euch weiter viel Spaß, tolle Motorradrennen (für Martin) und beste Jagdergebnisse (für Jana). Bis bald zu nächsten Skype....

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