Mich
hatte es auch schon ein wenig verwundert, dass der Flug von Saigon nach
Bangkok so reibungslos funktionierte, wir in der Zeit lagen und das alles
unmittelbar vor meine Geburtstag, aber gut dachte ich mir, damit wird es schon
was zu tun haben. Glücklicher Weise hatten wir vergessen nachzuschauen, wie man
am besten in unser Luxushotel gelangt, der Flughafen groß genug, das ganze zentnerschwere
Gepäck spürbar durch die Gegend zu tragen, der Geldautomat spuckte dann nur
1000 THB aus, die Wechselschalter waren bereits 22Uhr geschlossen, klar in
einer Stadt, in der vermutlich keiner schläft, ist das ja nichts so
außergewöhnliches, Monsunregen schon im Skytrain, schon jetzt wurde ins klar, dass Bangkok doch etwas
größer als Saigon sein musste, mittlerweile war es schon halb12, 20min warten
in einer riesigen und vor allem leeren Bahnhofshalle, bis dann mal irgendwann
ein Taxi eintrudelte und Jana noch beim Einsteigen in das Taxi Happy Birthday
sang, lustig war es allemal. :D
So
allmählich wurde uns dann doch kalt, jetzt fuhren wir schon über einer halben
Stunde mit dem überklimatisierten Taxi quer durch den Regen, irgendwo musste
dieses doofe Hotel doch sein. Nachdem sich dann 6 Leute gemeinsam etwas
ungläubig mein Handy mit der Adresse angeschaut hatten, man sollte dazu
erwähnen, dass die Thailänder im Gegensatz zu den Vietnamesen andere
Schriftzeichen benutzen, und wir jeden Straßenzug einzeln abfuhren, war es dann
soweit, als wir in eine dunkle, Wasser von allen Dächer tropfende, mit
schummrigen Licht beleuchtete Seitenstraße einbogen, da war es also. Wie
unfähig kann man eigentlich sein, dachte ich mir so, es sollte sich allerdings
noch herausstellen, wie sehr wir dem Taxifahrer nachempfinden konnten.
Jedenfalls waren wir angekommen, es konnte nur noch besser werden, doch die
Tür, sie schien verschlossen. Gut ein Schild wies uns an, etwas weiter die
Straße hinauf zu suchen und tatsächlich, doch nicht auf den Straßen Bangkoks
übernachten, nur wo war meine Digicam abgeblieben, ich hatte die doch noch in
den Rucksack..so und jetzt war wirklich Panik angesagt, denn auch wenn ich sehr
an meinen beiden Kopfhörern und dem MP3-Player gehangen habe, der Verlust wäre
in der Tat unschön gewesen. Ihr glaubt garnicht wie schwer es ist, eine kleine
schwarze Kameratasche in einer 5cm hohen Pfütze im Schummerlicht der nicht
vorhandenen Straßenbeleuchtung zu erkennen und ja sie funktioniert auch noch.
Wieder einmal Glück gehabt, jetzt nur noch in unser kuschelig warmes, also auf
26Grad runtergekühltes Zimmer zu gehen und endlich schlafen zu können. Voller
Erwartungen bestiegen wir die Stufen in die 3. Etage, wenn das Haus von außen
schon so schrecklich aussah, die Bewertung des Hotels und die Bilder im
Internet der 3-Sterne Suite, Superior und Deluxe waren uns etwas wenig, Luxus
musste es schon sein, konnte man schon als verheißungsvoll bezeichnen. Was
jetzt kommt, dürfte jedem klar sein, aber nein es war spät, ich wollte mich
erst morgen ganz gepflegt darüber beim Hotelpersonal aufregen..mit welcher
Inkompetenz ich hier in Thailand empfangen werde. :P
Nach
einem wohl verdienten Ausschlafen fühlte sich das Ganze immer noch nicht nach
Geburtstag an, also sorgen wir erst einmal dafür, dass wir uns besser fühlen.
Notebook aufgeklappt und die Bilder des Hotels im Netz mit denen hier live vor
Ort verglichen. Beeindruckend, was man mit Photoshop so alles erreichen kann,
da war sogar ich schwer mitgenommen, das war ziemlich exakt das identische
Zimmer, nur halt weiß, sauber, rot leuchtend und riesengroß. Kein Zimmer vom
Bad, gut aber was wollte man da auch fotografieren, eine Kloschüssel, darüber
der Duschkopf und etwas außerhalb dann ein kleines Waschbecken ohne Spiegel. So
also verklagen ging schonmal nicht. Wir wählten die diplomatischere Variante,
denn nach dem meiner Meinung nach besten Frühstück der ganzen letzten 4Wochen,
war das das abwechslungsreichste und leckerste, mussten wir einfach bleiben.
Entweder lag es an meine Gesichtsausdruck oder daran, das auch das
Hotelpersonal um die Vorzüge unserer Luxussuite wusste, jedenfalls konnten wir
ohne Beanstandung und ohne Nachfrage und ohne jegliche Begründung unsererseits,
uns ein anderes Zimmer anschauen und dahin wechseln. Auch wenn dies kleiner
war, befand es sich im modernen neu gebauten Gebäude, in dem alles vom
allerfeinsten war, das ganze Zimmer bestand faktisch aus fernsteuerbarer
Elektronik, dazu ganz warmes Holz-Interior, hell, strahlend weiß, sauber und einfach
schick, eben das machte den Unterschied, so jetzt ist aber genug, eigentlich
wollen wir ja gar keinen Luxus, also jedenfalls sonst nicht. :D
Von
nun an ging es, nachdem wir uns umfassend über Bangkok informiert hatten steil
bergauf und vor allem mit den Temperaturen. Die Luft war so erdrückend
staubig-feucht und einfach schwülwarm, wie ich es bisher hier in Südostasien
nicht erlebt hatte, auch wenn Jana natürlich mit einem leichten Handwink
andeutet, dass das doch im Vergleich zu August noch garnichts war. :P
Schnell
gaben wir auch die Idee auf, so einiges per pedes in der Stadt erreichen zu
können, oh man diese Straßen musste doch irgendwann wieder aufhören, oder
zumindest die Sonne und in das Wasser im Graben um das Regierungsviertel konnte
man auch nicht, schaute dort doch ein Kopf von etwas reptilieartiges heraus,
wir waren also immer noch in Asien, man wunderte sich schon kaum noch darüber.
Die Stadt selbst ist natürlich schon wahnsinnig gigantisch, man findet auch
keinen Fleck, von dem aus man keinen spektakulären Blick auf irgendeinem Wolkenkratzer haben konnte,
6spurige glatt-asphaltierte Straßen, die Leute müssen sich auf gefragt haben,
wieso ich gepflasterte Fußwege fotografiere, keine Motorroller, kein ständiges
Hupen, wir haben doch nicht wirklich den Kontinent gewechselt? Ein Glück hielt
dann an der Straße ein völlig heruntergekommener, verrosteter und ausgebeultes
Bus, dem auch einige Scheiben schon
fehlten, puh, wir sind doch noch in Asien und spätestens bei dem Anblick der
Seitengassen, ruinenartige unverputzte graue Häuser, hängende offene
Stromleitungen, so langsam fühlten wir uns wieder heimisch, das hatte man so ja
auch in Ho Chi Minh City.
Woran es da allerdings fehlte, waren die
überwältigend hohen Häuser mit Skyscrabbern von 60Stockwerken und mehr, welche
das WorldTradeCenter in Dresden oder die Keksrolle Jenas sogar in den
mittaglichen Schatten stellen. Dieses Unterschied aus verglasten Hightechbauten
und diesen Häuserruinen ist wirklich in beeindruckender Art und Weise
beängstigend und der eigentliche Grund, weswegen ich solche Megastädte mag. Und
noch ein weiterer, wenn man in einer solchen asiatischen sich hin und her
bewegt und die Komponente monumentaler Kultur in Form von überwältigenden
Gebäuden an Tempelstädten, Türmen und Palästen hinzutritt, dazu noch
Wohnviertel aus völlig anderen Kulturen und fertig ist das kunterbunte
Abenteuer. Auf geht’s.
Natürlich
fehlt da auch noch etwas, am Horizont in der schummrigen Hitze konnte man
irgendetwas großes weißes, eine riesige Kuppel erkennen, eine Fata Morgana, so
wie sich die Luft über den heißen Asphalt des Highways bewegte schien es
jedenfalls. Ein, sagt mal wie oft hab ich das Wort gigantisch und monumental
jetzt bisher schon verwandt? Aber anders kann man das auch einfach nicht beschreiben,
und dabei war der buddhistische Tempel genau vor uns noch nicht einmal im
Reiseführer zu finden. Etwas schwer beeindruckt und auch geschafft nach dieser
halbstündigen Lauftour durch die Mittagshitze, mussten wir erst einmal bei
lecker Obst und einem kühlen Drink rasten, bevor wir uns in die heiligen Hallen
wagten. Im Nachhinein betrachtet müssen wir schon ein wenig schmunzeln, aber
wir waren das auch aus Vietnam nicht anders gewöhnt, denn die meisten Tempel da
sind entweder durch Kriege und Witterung nicht höher gewachsen oder sie sind
grundsätzlich recht klein angelegt, keine Spur von prunkvoller gewaltiger
Herrlichkeit.
Auf
einmal stellten wir fest, dass die Zeit schon deutlich weiter vorangeschritten
war, jetzt musste unsere TouriTour wirklich mal losgehen, die Frage welche sich
nun noch stellte, wie gelangte man zur prunkvollsten, über und über
goldverzierten Tempelstadt Bangkoks? Die 4km wollten wir jedenfalls nicht
laufen und in Bangkok bewegt sich niemand per pedes. Wir hatten uns allerdings
natürlich informiert, wie man sich am günstigsten durch die Stadt bewegt, denn
trotz der modernen Skytrains, gelangt man mit diesen kaum in das Stadtzentrum.
2 Möglichkeiten standen zur Wahl, entweder ein Taxi oder das
Fortbewegungsmittel der Thailänder, jedenfalls wenn man kein Auto besitzt, das
TucTuc. Und auch wenn die auf den Bilder eigentlich recht niedlich ausschauen,
ihr möchtet garnicht wissen, wie verrückt man mit den Dingern durch die Straßen
Bangkoks heizen kann, da wird einem schnell mal Angst und Bange, wobei unser
Chauffeur es recht entspannt anging, mal vom Preis abgesehen. ;)
Ein
paar Schritte gegangen, war mir noch nicht so ganz klar, wieso hier einige
Männer und Frauen trotz nicht Knie bedeckender Kleidung durch die Tempelanlagen
spazierten und ich mir so eine total stylische Dragon-Aladin-Hose anziehen
durfte, aber hey ich halt mich wenigstens an die Spielregeln, mal
ausnahmsweise. Wenn man schon in einer anderen Kultur unterwegs ist, sollte man
der jedenfalls einen Funken Respekt zollen, aber Fotos von meditierenden
Mönchen in einem mit einer männlichen Stimme beschalten Raum sind ok? ;)
Wir
hatten nur ca. 1,5h Zeit uns dieses spektakuläre Kunst-Gebäude-Gebilde
anzuschauen und trotz der Tatsache, dass es soviel zu entdecken und an Atmosphäre
einzuatmen gab, hätte man die Reizüberflutung auch nicht wesentlich länger
ausgehalten. Aber seht einfach selbst.
Noch
bevor sich die Sonne gen Horizont neigte, wollten wir das nächste Highlight
nicht verpassen, oder sagen wir eher, es regte sich ein gewisses Unbehagen in
uns, noch nichts wirklich gesehen und geschafft zu haben, nachdem wir den
heutigen Tag so entspannt angegangen waren, aber ich denke zu seinem
Geburtstag, ist das doch noch verzeihlich und schließlich hatte mir Jana nicht
nur diesen tollen Tag, so wie ich ihn mir vorstellte, geschenkt, nein 2
reizende HappyBuddha noch dazu und wer damit nichts anfangen kann, der hat
definitiv eine Bildungslücke und sollte sie schnellstmöglich auffüllen. :P
Der
größte Tempel Bangkoks und naja mir fallen einfach keine weiteren Formen der
wörtlichen Steigerungen mehr ein und diesmal hatte sogar ein 24mm Weitwinkel
arge Probleme, doch allein schon die Stimmung bei Nacht, die untergehende
Sonne, kaum eine Menschenseele geistert noch durch die labyrinthartigen Wege
und irgendwie möchte man nur noch innehalten, die Augen schließen und sich von
all der hier gebündelten spirituellen Energie durchströmen lassen.
Wir
waren doch in der Stadt der extremen Gegensätze, und hier kommen sie. 20min
später und einer total abgefahrenen und eigentlich mehr lebensmüden TucTucFahrt
weiter, die europäischen Mädls in einem Taxis neben uns zuckten auch nur
verständnislos und verängstigt die Achseln, als wir an ihnen vorbeirauschten,
bunte Lichter, grelle Neoröhren, ein fast vietnamesischer Verkehr, rechts und
links von uns wird auf den Straßen gekocht, ein irres treiben, eine Lautstärke
und nein, kein Zeitsprung zurück nach Vietnam, es ist ChinaTown und genau so
hatte ich mir das immer vorgestellt. Man irrt umher, um überhaupt ein englisch
sprachiges Restaurant, ach was sage ich da, eine improvisierte Straßenspelunke,
zu finden, wartet dann erstmal gut 20min einen Platz zu bekommen, bestellt dann
schon einmal im Stehen die leckersten SeaFoodKöstlichkeiten und als man dann
sitzt, endlich wieder Stäbchen in der Hand, denn das kennen die Thais zu
unserem Leidwesen garnicht, einen die Leute um einen herum nur angrinsen, ist
man einfach mitten drin, statt nur dabei, wir quälen unsere Kameras.
Doch
das eigentliche Highlight erwartete uns ja noch, über 60 Stockwerke, eine edle
VIP Bar, Blick über die nächtliche Skyline, ein süßer Cocktail und fühlen wie
die Götter auf Wolken, danach in einen schicken Club, so wollten wir meinen
Geburtstag in dieser atemberaubenden Stadt ausklingen lassen. Na klingt das
nicht langweilig? :D
Das
TucTuc oder besser gesagt sein Fahrer versuchten sich diesmal mit uns recht
rege zu unterhalten, als während wir mit knapp 100 über die Schnellstraße im
Slalom durch die Autos schossen, diesmal war es schon nicht mehr lustig. Das
Hotel in dem wir abstiegen, auf dessen Dach sich die Skybar befinden sollte,
5-Sterne FirstClass natürlich, öffnete dann doch entgegen dem Reiseführer nicht
18Uhr sondern 21.30 Uhr, gut wirklich schade, aber noch dachten wir uns dabei
nichts. Es bestand ja noch eine zweite Möglichkeit, also in den Skytrain
hinein, um dann am Empfang des, diesmal nur 4-Sterne, Hotels sagen lassen zu
müssen, dass man den Dresscode in einem solchen Etablissement nicht erfüllt,
kurze über die Knie, ja wir hatten es ja heut schonmal, gehende Hosen gehen
einfach garnicht. Jana war so süß, als sie versuchte, ihnen zu erklären, dass
ich doch Geburtstag habe und sie doch eine Ausnahme machen können, aber nix zu
machen. Klar begann es dann noch zu regnen, die Zeit wurde eng, denn wir
mussten auch noch schauen, wo man am besten in welchen Club zu welcher Party
geht, die Züge fahren hier nur bis Mitternacht, den Anschlusszug verpasst und
eigentlich wollten wir dann wirklich nur noch nach Hause, doch irgendjemand
ließ uns einfach nicht. Es mag sicherlich hochgradig peinlich klingen und
sicherlich passt das so garnicht zu unser beider Orientierungssinn, aber wir
haben unser Hotel einfach nicht gefunden, irrten dann fast eine Stunde von
einer auf die andere Straßenseite, vor und wieder zurück und wieder vor, es war
zum Verzweifeln. Hier in der Nacht, in der von dem Plateau des Skytrain
ausgesehen in beide Straßenrichtungen alles gespiegelt ausschaut, schaute auf
einmal alles anders drein. Der Knüller ist aber tatsächlich das Hausnummernsytem,
denn die eigentlichen befinden sich nur entlang der Hauptstraße und dann gibt
es weitere Unternummern, deren System uns bis heute noch immer nicht
vollständig geläufig erscheint, jedenfalls empfanden wir irgendwie, keine
Ahnung wie wir darauf kamen, Mitleid mit unserem gestrigen Taxisfahrer. Nach
einer Runde Googlen und GoogleMappen, in einem anderen Hotel, die im Übrigen
auch den Eindruck erwecken, alleine auf diesem Planeten zu sein, wenn sie
nichtmal ihre Nachbarn kennen, hatten wir es dann endlich geschafft, und
genauso vielen wir ins Bett. Aber gut, dann trete ich eben morgen Bangkok in
den Hintern. ;D
So
dann wollen wir mal, was steht denn heute so schönes auf dem Programm? Achja
richtig, erst wollten wir uns doch am Buffet die Bäuche vollschlagen, nachdem
wir ausgeschlafen und diesmal wirklich gut vorbereitet in das ja schon fast
neblige schwül-heiße Bangkok aufbrechen, zum nächsten Abenteuer, achja ich
werde die AirCons vermissen. :D Apropos, es ist ein unglaublich angenehmes
Gefühl, wenn man aus 32Grad feuchtwarmer Luft in den 18Grad herunter gekühlten
Trockenluft-Skytrain einsteigst und du dich bei jedem Ein- oder Austreten
fragst, was ist dir eigentlich lieber, die Hitze der Hölle oder der
Gefrierschrank? Die Spinnen doch, die Thailänder! :P
Das
tolle an den Einkaufszentren in Bangkok ist, man bekommt sie faktisch nicht von
außen in ihrer vollen Größe zu Gesicht, viel zu eng ist da alles aneinander
gebaut. Aber da man durch kleinen Verbindungsstücke munter von einem wohl
temperierten Kaufhaus in das nächste spazieren kann, stört das auch kaum, auch
wenn die Preise uns so allmählich erblassen lassen, denn hier sind wir ganz
sicher keine Millionäre mehr, schade, wir hatten uns schon so dran gewöhnt.
Doch wir wollten mehr, nein nicht Shoppen, mehr von diese Viertel, in dem das
alte Bangkok mit seinen herunterbröckelnden Häuserruinen, die wir hier wohl
liebevoll als Slums bezeichnen würden, direkt zwischen den meterhohen
spiegelverglast-funkelnden Skyscrapern sich hindurch winden.
Und nur eine Ecke
weiter steht man mitten in einem Buddhistischen Tempel, kein Grün, kein Platz,
aber einfach wunderschön anzuschauen. Und als dann auch noch der Nieselregen
einsetzte und wir uns einen Unterschlupf in einem zugegebenermaßen sehr
ausgedünnten Stadtpark suchten, erlebten wir zwischen dem ganzen Trouble dann
doch ganz leise mystische Ruhe.
Auf
unserer kleinen Flussfahrt genossen wir dann einen wunderbar heftigen
Monsunregen unter dem Dach unseres Schnellbotes, in der Hoffnung, die Welt
würde doch nicht untergehen. Der letzte und zugleich auf seine Weise
beeindruckenste Tempel wartete auf uns, ein Tempel über und über mit bunten
Mosaike und Scherben versehen, den man sogar nach einem steil-gefährlichen
Treppenaufstieg besteigen und die Welt sich ein Stück von oben anschauen
konnte. Wieder waren wir dem Sonnenuntergang nahe und wieder wurde es ganz
ruhig und leise um uns herum und dann taten wir etwas, was sicherlich keiner
erwartet hätte. Wir waren fertig, also nicht körperlich und nervlich, nein mit
Sightseeing, zu gut Deutsch, wir hatten nix mehr zu tun und wussten gar nichts
mehr mit uns anzustellen. Sollte das nicht doch noch nach Urlaub klingen? ;)
Wir
ließen uns in einem kleinen Treppchen, fernab des Haupttempels nieder,
schrieben die letzten Postkarten und genossen diese Ruhe, diese Stille,
Entspannung pur und ich versuchte krampfhaft nicht auf das Klickgeräusch zu
achten, mit dem Jana ständig versuchte in orangen Gewändern gekleidete Mönche
einzufangen.
So
jetzt war aber genug mit der Ruhe und Stille, im Affenzahn ging es wieder durch
die Straßen, nachdem ich den dreisten TucTuc-Fahrer erstmal auf eindrittel des
Preises zurechtwies, diesmal zu IdiaTown. Doch irgendwie waren die Leute dann
an den Verkaufsständen am Abbauen und dabei sollte sich doch hier vor uns einer
der berühmtesten indischen Basare der Welt auftuen, der durch seinen regen
Handel, ständiges Feilschen und samtiges Geschmeide kaum zu übertreffen sei.
Aber klar, man musste nur den touristischen Teil überwinden und dann..dann war
man mitten in Indien. Räucherkerzen, eine Moschee mitten neben einem Markt,
eine gigantische heruntergekommene Markthalle, viele große Augenpaare, die uns
da anstarrten, die Obersten der Familie ganz gelassen und ehrfürchtig drein
schauend und wohl mehrere tausend-km Stoffballen, Wahnsinn. Wenn man sich die
Häuser dazu anschaute, in denen sie lebten, unglaublich. Die letzte
Gebäudesanierung fand da mit Sicherheit nicht in den letzten 200 Jahren statt.
Genau hier mussten wir unbedingt und endlich auch mal etwas..nein nichts
indisches..aber thailändisches Essen gehen. Hachja, schon schön und vor allem
leeeeecker. :) Auch wenn mir noch nicht so klar ist, wie man die Nudeln so
derartig grün bekommt.
So
allmählich stellte sich auch dieses gewisse Gefühl der Aufregung ein, Schweiß
rann uns von der Stirn, das Herz flatterte, nicht weil wir uns hier gerade in
einer öffentlichen Toilette von lockerer Straßenkleidung auf Abendgarderobe
umdressten und definitv spätestens jetzt ganz und garnicht mehr in das
Stadtbild fassten, oder wir auf der Suche nach Chinatown, welches hier irgendwo
gleich um die Ecke sein sollte, uns wieder mal verirrten, nur diesmal in die
besonders gruseligen Gassen, sondern weil wir eine Taxifahrt später wieder vor
diesem riesigen Wolkenkratzer standen, auf dem man einen
spektakulär-atemberaubenden und unvergesslichen Blick über Bangkok sich leisten
kann. Das ist im Übrigen der richtige Ausdruck, denn die Getränke beginnen in
der Bar mit Tee und der wiederum bei 8,50€, aber hey, das hatte mir Jana auch
geschenkt. Also nicht kleckern, sondern klotzen. :D Nunja der Blick war schon
ganz ok, der 14€ Cocktail auch nicht schlecht und das erhabene Gefühl alles im
63. Stock unter sich zu haben auch OK. Doch etwas wirklich besonderes, dazu
braucht es schon uns. Denn was kommt denn besser, als den ganzen reichen
Schnösel, die glauben, nur weil sie sich in ein schickes Kleid oder einen Anzug
werfen können, etwas ganz Besonderes zu sein, mal zu zeigen, wie man auf sich
aufmerksam macht. Zunächst einmal war der Blick zur Nightskyline vom Sofa aus
durch eine störende Glasscheibe in 1m Entfernung zu sehr getrübt und die
Fotos..nein so geht das nicht..man muss doch..ahja..da hinten über die
Betonabsperrung, der Weg über die Kieselsteine bis hin zum Geländer, ja das ist
doch mal ein vernünftiger Ausblick, hier kann man endlich diese
beneidenswertumwerfende Kulisse auf SD festhalten, bevor man nach der 2.
Ermahnung, sich dann brav wieder an die Spielregeln hält. Komisch auch, dass
die meisten Leute nach dem Genuss ihrer Drinks wieder die Terrasse verließen,
um fairerweise Platz für weitere Schaulustige zu machen, doch selbst das schien
uns noch zu langweilig. Sowas kann man auch noch auf die Spitze treiben. Das
schönste an dem folgenden waren eigentlich die Blicke der Gäste und vor allem
des sonst überaus zuvorkommenden und höflichen Hotelpersonals, wie wir beide in
aller Seelenruhe unsere Postkarten schrieben und uns von nichts, aber auch
wirklich garnichts in unserer Ruhe stören ließen. Und da kann man mal sehen,
dass in einer solch gehobenen Highsociety man einfach etwas lockerer sein muss
und ganz ehrlich, soviele neidische Blicke auf einmal..das hat auch etwas. ;)
Wir
müssen verrückt gewesen sein, immerhin war es schon so spät, wir mussten 5Uhr
aus dem Bett, Janas neue HighHeels drückten auch derartig, dass ein Blutbad
nicht weit entfernt sein konnte und ob sie Jana mit normalen Straßenschuhen und
langer knittriger Hose in einen der angesagtesten Edel-Clubs lassen würden. Mit
dem Dresscode hatten wir ja schon so unsere Problemchen bisher, aber diesmal
ging alles knapp, auch wenn wir uns, weil wirklich niemand halb12 auf der
Tanzfläche war, die Wartezeit mit sündhaft teuren aber wirklich köstlichen
Cocktails versüßen mussten. Und da uns irgendwann die ganzen Blicke der
Thailänder und ihrer Begleitung, das ständige Zunicken und Anzwinkern kalt
ließ, und wir haben wirklich ständig kontrolliert, ob wir irgendwas im Gesicht
hätten oder einen Fleck oder Loch in unseren Gewändern, aber nein, wir waren
einfach nur zu toll für diesen Club. So toll, dass ich Jana das Pfötchen gab
und sie auf die Tanzfläche entführte, denn mal im Ernst, wer will auf einer
Party schon die ganze Zeit nur dasitzen und seinen Kopf im Rhythmus vertikal zu
den Beats bewegen. Wie schon gesagt, ihre Blicke konnten uns nichts mehr
anhaben, auch wenn sie nun garnicht mehr von uns ablassen konnten. Aber
zumindest schienen wir doch einige müde Tanzbeine zur Bewegung zu animieren und
so nach und nach begann die ganze Sache richtig Spaß zu machen. Ich weiß mit Klischees
sollte man immer außerordentlich vorsichtig sein, aber das Bild als dann immer
mehr hochbeinige, schlanke, sexy gedressten (so kurze Hotpans und Röcke gibt es
in Europa einfach nicht..ich schwöre!!! :D) und für ihr Aussehen deutlich zu
schüchterne ThaiMädls sich um die Tanzfläche versammelten, 3 Mädls hinter uns,
bei denen man nicht mehr so richtig wusste, ob ihre Hauptbeschäftigung im
Kichern oder Tanzen zu finden war, ihren Spaß hatten und 2 Thailänder zu den
heißen Black-Beats in Ansätzen zeigen, wie man sich wirklich bewegt, konnte es
keinen Zweifel geben, genauso hatte ich mir das immer vorgestellt. :D
Schon
am frühen Morgen musste sich dann Jana die Decke wieder über den Kopf ziehen.
Völlig unverständlich, wie der Martin wie ein Aufziehmännchen nach nur 3h
Schlaf putzemunter durch das Apartment hüpfte. ;) Und dabei war das eigentlich
garnicht nötig, denn nachdem der Ausdruck usnerer BoardingTickets im Hotel erst
nicht so richtig funktionieren wollte, das Taxi auf einmal im Morgenstau
festhing und wieso heißt dieser Bummelzug eigentlich FastLine, wir zum letzten
Aufruf erst am Gepäckschalter mit bangem Blick auf die gleichnamige Waage
erschienen, war vorallem Jana auf einem anstrengend schnell wach. :P
Mich
beschlich dann schon fast ein Gefühl des Unbehagens, als der darauffolgende
Flug über Helsinki nach Berlin und dem Bus nach Dresden so reibungslos ablief,
aber gut, das war dann wohl wirklich das Ende unseres Abenteuers.
Was
bleibt eigentlich noch zu sagen? Vielleicht, dass wir Vietnam jetzt schon
vermissen., nein nicht wegen den ganzen immer lächelnden Menschen, der bunten
Welt, der beeindruckenden Natur, der Vielfältigkeit..nein! Es ist einfach
dieses Gefühl, ich weiß garnicht, wie man es beschreiben soll, wenn man auf
einmal in Helsinki steht und die Leute mit unmissverständlich verständnislosen
Blick einem sagen wollen, bei welchen unsäglich frostigen Temperaturen sie zu
zittern beginnen..egal 12Grad sind für uns der neue absolute Tiefpunkt.
Willkommen zurück! ;=D