Ich bin zurück und diesmal mit spannenden Geschichten aus der Gynäkologie. :)
Ich habe gerade meine letzte Woche im Krankenhaus abgeschlossen... Nun ja, eigentlich wäre heute mein letzter Tag, aber da ich bereits meinen Famulaturnachweis in der Tasche habe und heute mit Gülsen nach Hoi An für's Wochenende fahre, schwänze ich meinen letzten Arbeitstag... Ohoh, ich weiß - böse Jana! Hoi An ist 4 Stunden Busfahrt Richtung Süden von Hue entfernt und da heute das berühmte Lichterfest dort stattfindet (nur 1 mal pro Monat), wo die gesamte Stadt abends nur durch Laternen und Kerzen erhellt wird, können wir natürlich keinen Tag später fahren. :) So, musste mich jetzt rechtfertigen um ein reines Gewissen zu haben, hihi. Jetzt aber zur meiner Gynäkologiewoche - und die Erzählungen lohnen sich auch für Nichtmediziner:
Montag wurde ich zum extra Gebäudekomplex des Departements gebracht und bin in der Morgenbesprechung fast eingeschlafen. Die ging nämlich 1 Stunde und war nur auf Vietnamesisch. Habe die nächsten Tage dann immer mein Tagebuch währenddessen geschrieben. Andere Ärzte haben übrigens mit ihren Smartphones gespielt oder Zeitung gelesen... sehr aufmerksames Publikum. ;) Montag ging es dann ab in den OP für mich. Dr. Tu, welcher sehr gut Englisch und sogar ein wenig Deutsch spricht, nahm mich mit und ließ mich auch bei seinen OPs assistieren. Der OP-Trakt ist hier sehr viel älter und längst nicht so gut ausgestattet wie in den anderen chirurgischen Departements. In einem OP-Saal wurden immer gleich 2 Frauen nebeneinander operiert. Fast jede OP wurde mit Spinalanästhesie gemacht, so dass die Patientinnen die ganze Zeit wach waren. Und das bei Kaiserschnitten (einer nach dem anderen, hintereinnanderweg) und offenen Hysterektomien (Gebärmutterentfernungen). Hatten außerdem noch eine Myom-Entfernung (gutartiger Tumor des Gebärmutter), das übrigens riesig (ca. 10 cm Durchmesser) war und mehrere Wundinfektionssäuberungen. Mir hat ein Arzt hier erzählt, dass sie i.d.R. um die 15 - 20 Kaiserschnitte pro Tag haben - kann ich immer noch nicht glauben. Die Schwangerschaftsbetreuung wird hier nur mit CTG (wovon es auch nur 1 im Haus gibt) gemacht, welches die Herzfrequenz und die Wehentätigkeit misst und nicht immer verlässlich Aussage über den Zustand des Babies gibt. Da es keine anderen, präziseren Verfahren zur Kontrolle gibt, werden bei Anzeichen des fetalen Distress hier sehr schnell Kaiserschnitte durchgeführt. Übrigens: die nächsten Frauen warten immer schon vor den OP-Räumen, eingewickelt nur in weiße Laken, um dann fast zeitgleich mit dem Ende einer OP den Saal zu betreten und sich auf den OP-Tisch zu legen. Und dabei können sie gemütlich die OP der Nachbarin mitverfolgen, denn Trennvorhänge oder ähnliches gibt es nicht.
Dienstag war ich dann leider krank - erkältet und meine Stimme war früh fast weg, entschied mich daher zu Hause zu bleiben und mich einen Tag zu schonen, damit mich's nicht ganz aus der Bahn wirft.
Mittwoch war ich dann zum ersten mal im Kreissaal - hier Delivery Room. Auf dem Weg dorthin muss man sich erst mal durch die Menge an Schwangeren und Familenangehörigen drängeln, die den Gang davor belagern. Ich habe ja leider noch keinen Vergleich zu den Verhältnissen bei uns in Deutschland, aber geschockt war ich trotzdem. Die Räume sind auch hier sehr spartanisch ausgestattet und die Türen stehen immer offen, so dass jede Frau, die als nächstes dran ist, bereits sieht was ihr blüht. Eine Geburt ist eine blutige Angelegenheit, v.a. hier - denn zu meinem Entsetzen wird hier bei fast jeder Geburt (soweit ich weiß jedes erstes Kind und natürlich bei Komplikationen) ein Dammschnitt gemacht. Am Vormittag hatten wir nur eine Geburt währenddessen am Nachmittag dann alle wild durcheinander rannten - 8 Geburten in knapp 3 Stunden. Der Raum, in dem die Kleinen dann gesäubert, angezogen, in Decken eingewickelt und gelegt werden, bot kaum noch Platz. Da durfte ich dann auch eine Baby selbst zur Welt bringen (also nicht meins :P), natürlich mit Hilfe, aber letztlich mit meinen eigenen Händen - juhu! :) Ansonsten hat man fleißig assistiert oder einfach nur zugeschaut. Es waren auch noch andere vietnamesische Studenten vor Ort. Donnerstag verbrachte ich ebenfalls im Kreissaal.
Puh, soviel zur Arbeit. Nun hoffe ich natürlich, dass meine Famulatur auch anerkannt wird - das wird bestimmt noch ein Kampf, ohoh!
In der Woche wurde ich dann auch wieder 2 mal zu Essen eingeladen, einmal in ein super leckeres und hübsches vegetarisches Restaurant zum Mittagessen (Martin, da müssen wir hin!) und zum Abendessen und auf einen Kaffee nach der Arbeit. Nicht zum Trinken, keine Angst! ;)
Gestern Abend waren Gülsen und ich dann mit Anh in Hue unterwegs. Sind zunächst auch Abendessen gefahren und danach zu einer Pagode, in der Festlichkeiten für den bevorstehenden Muttertag stattfanden. Das eigentliche Fest - viel größer - ist eigentlich heute (Freitag), aber da wir ja nach Hoi An fahren, begnügten wir uns mit dem bunten Treiben im kleineren Trakt des Tempels. Am Muttertag kommen alle Gläubige in den Tempel, singen, beten und feiern zusammen. Nach der Zeremonie werden dann an alle kleine Blumen verteilt, die vorher gesegnet wurden - die Farbe ist abhängig davon, ob die eigenen Eltern noch leben oder nicht. Rosa Blume mit grünem Blatt steht für beide Eltern noch am Leben, weiße Blume mit grünem Blatt für Mutter verstorben, rosa Blume mit weißem Blatt für Vater verstorben und beides weiß für beide verstorben. Da die Zeremonien noch bis Mitternacht angedauert hätten, fragte Anh nach, ob wir auch schon jetzt eine Blume bekommen könnten. Diese wurden dann extra für uns schon vorher gesegnet. :) Danach fuhren wir noch Che - vietnamesische süße Suppe, wenn ihr euch erinnert - essen und dann ging's nach Hause.
Und da dieser Roman für's erste wieder mal reicht, mache ich hier Schluss und schreibe nach dem Wochenende nochmal was über Hoi An - dann mit Bildern natürlich. ;) Hochladen dauert leider zu lange jetzt, muss bald los.
Fühlt euch ganz lieb gedrückt von mir,
eure Jana
PS: Die Reisevorbereitungen laufen - juhu - und mein Nachtbus nach Hanoi ist gebucht, werde Dienstag früh dort eintreffen - Mittag kommt dann Martin an... falls alles mit den Flügen klappt. :D
Begleitet mich auf meiner Reise nach Vietnam - zwei Monate voller Abenteuer und Entdeckungen, Trubel und buntem Leben, Arbeit und Erholung, Reisen und Staunen.
Freitag, 31. August 2012
Samstag, 25. August 2012
Meeresfrüchte und Huda-Bier
Chao alle zusammen!
Wisst ihr, wir Deutschen haben echt einen schlechten Ruf - von uns wird erwartet, dass wir ganz viel Bier trinken können. Kann ich aber nicht... Tja, das ist den Vietnamesen aber egal. Sie lieben Bier! Huda ist eine Marke aus Hue, das trinkt fast jeder hier, meistens in Dosen. Es wird in kleinen Gläsern und mit Eis getrunken. Dabei wird ungefähr 50x am Abend angestoßen. Wenn man jünger ist, sollte das Glas dabei weiter unten als von dem gegenüber sein. Man kann Dosen auch mit Stäbchen öffen, indem man ganz lange rubbelt bis es "plop" macht. ;) Prost heißt: Dzô = ausgesprochen Jo. Und wenn eine Dose geleert ist, wird sie einfach unter den Tisch geworfen. Und warum weiß die kleine Jana soviel über die Alkohol-Kultur Vietnams? Weil sie die leztzen 2 Abende weg war, trinken, essen und quasseln. Und dabei habe ich keinen Cent bzw. Dong ausgegeben. Gülsen und ich waren eingeladen worden, Freitag von einem Abdominalchirurgen namens Trung aus unserem Departement. Und heute Abend wieder von Dr. Hung, ebenfalls Abdominalchirugie, allerdings arbeitet er in einem anderen Gebäude. Hier ein paar Bilder:
Wurden gestern mit dem Motorrad von zu Hause abgeholt und sind dann in ein kleines vietnamesisches Restaurant gefahren. Es gab Garnelen, Miesmuscheln, Schnecken - ganz genau - Meeresfrüchtesuppe und vieles mehr. Mmmmh!!! :) Und Bier natürlich. Danach ging es noch in eine Bar bzw. Disco, wo wir Billard spielten und tanzten. War ein toller Abend. Allerdings hatte ich heute früh dann auch einen bösen Kater... Gegen 5 Uhr nachmittags waren wir dann von Dr. Hung eingeladen - der Arzt, mit dem Aaron und ich schon vor 2 Wochen weg waren. Haben wieder sehr lecker gegessen und Huda-Bier getrunken, habe mich diesmal aber zurückgehalten. Zum Glück ist Wochenende. ;)
Meine Woche in der Neurochirurgie war ansonsten sehr entspannt. Es gab nicht sonderlich viele OPs: mehrere lumbale Bandscheibenvorfälle und einen Kleinhirntumor. Habe mich von Zeit zu Zeit wieder in die Abdominal-OPs reingeschlichen - Ösophaguskarzinome und Whipple-OP - und 2x in die Orthopädie - Hüftprothese und Wirbelkörperfraktur (Bruch). Montag konnte ich auch mal assistieren. An zwei Nachmittagen hatte mich dann Gülsen mit nach Hause begleitet und mein Internet und Powerpoint genutzt, um einen englischen Vortrag über Ösophaguskarzinome vorzubereiten. Zum Glück war ich nicht mehr offiziell in der Abdominalchirurgie. ;) Habe sie dann Freitag früh begleitet und beim Vortrag moralisch unterstützt.
Freitag waren in der Neurochirurgie keine OPs geplant und somit hatte ich den Rest des Tages frei. ;) Habe die Gelegenheit genutzt und bin entlang des Song Huong zur Thien Mu Pagoda geradelt. Habe dort das schöne Tempelgelände bewundert und mich dann an den Fluss gesetzt und das bunte Treiben darauf beobachtet. Die Drachenboote - berühmt für Hue - waren diese Woche alle reich mit Fahnen und Girlanden für ein Festival geschmückt und haben Gläubige umhergeschippert, welche auf den Booten buddhistische Zeremonien abhielten. Zwischen den Drachenbooten hielten sich viele kleine Holzboote auf, von denen aus Obst, Gemüse und andere Dinge verkauft wurden. Ein Hoch auf mein neues Teleobjektiv - ohne dieses wären nicht so tolle Bilder davon entstanden.
Es hat übrigens die letzten 2 Tage recht viel geregnet und dadurch haben sich die Temperaturen etwas abgekühlt. Ich denke, wir erreichen zur Zeit kaum noch die 30 Grad - so angenehm. :)
Diesmal gibt es keinen so langen Roman, ich hoffe ihr verzeiht mir...
Ich drücke euch ganz lieb (und Martin bekommt noch ein ganz lieben Kuss!),
eure Jana
Wisst ihr, wir Deutschen haben echt einen schlechten Ruf - von uns wird erwartet, dass wir ganz viel Bier trinken können. Kann ich aber nicht... Tja, das ist den Vietnamesen aber egal. Sie lieben Bier! Huda ist eine Marke aus Hue, das trinkt fast jeder hier, meistens in Dosen. Es wird in kleinen Gläsern und mit Eis getrunken. Dabei wird ungefähr 50x am Abend angestoßen. Wenn man jünger ist, sollte das Glas dabei weiter unten als von dem gegenüber sein. Man kann Dosen auch mit Stäbchen öffen, indem man ganz lange rubbelt bis es "plop" macht. ;) Prost heißt: Dzô = ausgesprochen Jo. Und wenn eine Dose geleert ist, wird sie einfach unter den Tisch geworfen. Und warum weiß die kleine Jana soviel über die Alkohol-Kultur Vietnams? Weil sie die leztzen 2 Abende weg war, trinken, essen und quasseln. Und dabei habe ich keinen Cent bzw. Dong ausgegeben. Gülsen und ich waren eingeladen worden, Freitag von einem Abdominalchirurgen namens Trung aus unserem Departement. Und heute Abend wieder von Dr. Hung, ebenfalls Abdominalchirugie, allerdings arbeitet er in einem anderen Gebäude. Hier ein paar Bilder:
mit Trung (hinten) und Trong (vorne) beim Abendessen
Dr. Hung (links Mitte) hat uns eingeladen
Wurden gestern mit dem Motorrad von zu Hause abgeholt und sind dann in ein kleines vietnamesisches Restaurant gefahren. Es gab Garnelen, Miesmuscheln, Schnecken - ganz genau - Meeresfrüchtesuppe und vieles mehr. Mmmmh!!! :) Und Bier natürlich. Danach ging es noch in eine Bar bzw. Disco, wo wir Billard spielten und tanzten. War ein toller Abend. Allerdings hatte ich heute früh dann auch einen bösen Kater... Gegen 5 Uhr nachmittags waren wir dann von Dr. Hung eingeladen - der Arzt, mit dem Aaron und ich schon vor 2 Wochen weg waren. Haben wieder sehr lecker gegessen und Huda-Bier getrunken, habe mich diesmal aber zurückgehalten. Zum Glück ist Wochenende. ;)
Meine Woche in der Neurochirurgie war ansonsten sehr entspannt. Es gab nicht sonderlich viele OPs: mehrere lumbale Bandscheibenvorfälle und einen Kleinhirntumor. Habe mich von Zeit zu Zeit wieder in die Abdominal-OPs reingeschlichen - Ösophaguskarzinome und Whipple-OP - und 2x in die Orthopädie - Hüftprothese und Wirbelkörperfraktur (Bruch). Montag konnte ich auch mal assistieren. An zwei Nachmittagen hatte mich dann Gülsen mit nach Hause begleitet und mein Internet und Powerpoint genutzt, um einen englischen Vortrag über Ösophaguskarzinome vorzubereiten. Zum Glück war ich nicht mehr offiziell in der Abdominalchirurgie. ;) Habe sie dann Freitag früh begleitet und beim Vortrag moralisch unterstützt.
Freitag waren in der Neurochirurgie keine OPs geplant und somit hatte ich den Rest des Tages frei. ;) Habe die Gelegenheit genutzt und bin entlang des Song Huong zur Thien Mu Pagoda geradelt. Habe dort das schöne Tempelgelände bewundert und mich dann an den Fluss gesetzt und das bunte Treiben darauf beobachtet. Die Drachenboote - berühmt für Hue - waren diese Woche alle reich mit Fahnen und Girlanden für ein Festival geschmückt und haben Gläubige umhergeschippert, welche auf den Booten buddhistische Zeremonien abhielten. Zwischen den Drachenbooten hielten sich viele kleine Holzboote auf, von denen aus Obst, Gemüse und andere Dinge verkauft wurden. Ein Hoch auf mein neues Teleobjektiv - ohne dieses wären nicht so tolle Bilder davon entstanden.
der Song Huong mit ganz vielen reich geschmückten Booten
Thien Mu Pagode
rosa Frangipani :)
buntes Treiben am Fluss
viele kleine Boote
Es hat übrigens die letzten 2 Tage recht viel geregnet und dadurch haben sich die Temperaturen etwas abgekühlt. Ich denke, wir erreichen zur Zeit kaum noch die 30 Grad - so angenehm. :)
Diesmal gibt es keinen so langen Roman, ich hoffe ihr verzeiht mir...
Ich drücke euch ganz lieb (und Martin bekommt noch ein ganz lieben Kuss!),
eure Jana
Montag, 20. August 2012
Arbeit oder Urlaub - das ist hier die Frage?!
Xin chào!
Ein weitere Woche ist vergangen mit viel Arbeit - naja, wenn man 2,5 Stunden Mittagspause als Arbeit bezeichnen kann :-P - und tollen Erlebnissen. Wo fange ich da bloß an? Also...
Abdominalchirurgie-Woche: Gülsen und ich erschienen immer unpünktlich zur Morgenbesprechung und schlichen uns durch die Hintertür in den Konferenzraum... haben also das Vorurteil der deutschen Pünktlichkeit erfolgreich widerlegt. ;) Gegen 8:30 begannen immer die OPs: Tumore über Tumore - rektal, Colon (Dickdarm), ösophageal (Speiseröhre), mesenterial, Klatskin ..., Cholezystektomien (Gallenblasenentfernung), Megacolon, Hernien aller Art, Hämorrhoidenentfernungen u.v.m. Da im OP doch immer unglaublich viele Helfer da waren, konnten wir leider nicht assistieren. Aber durch die Wer-braucht-schon-Sicherheitsabstand-Regel hier in Vietnam kann man trotzdem alles haargenau mitverfolgen. Und wenn laparoskopisch operiert wurde (also mit Kamera) und dann auch noch der Chef selbst das Skalpell in die Hand nahm, verwandelte sich der Saal auch schnell mal in ein Kino - Rekord: 17 Schaulustige in einem Raum. :) Bilder während OPs habe ich bisher nur mit Handy gemacht - die gibt es dann zu Hause zu sehen, also lasst eurer Fantasie freien Lauf. Zwischen 12 und 14 Uhr (manchmal Beginn auch schon 11 oder 11:30 je nach Vormittags-OP) ist immer die berühmte Mittagspause der Vietnamesen mit Mittagessen und Mittagsschlaf. Gülsen hat die Gelegenheit genutzt und auf ein paar zusammengerückten Stühlen im Konferenzraum ein Nickerchen gehalten, ich dagegen habe fleißig Tagebuch geschrieben (hänge immer ein paar Tage zurück). Hier ein paar Bilder vom Alltag in Hue:

Ein weitere Woche ist vergangen mit viel Arbeit - naja, wenn man 2,5 Stunden Mittagspause als Arbeit bezeichnen kann :-P - und tollen Erlebnissen. Wo fange ich da bloß an? Also...
Abdominalchirurgie-Woche: Gülsen und ich erschienen immer unpünktlich zur Morgenbesprechung und schlichen uns durch die Hintertür in den Konferenzraum... haben also das Vorurteil der deutschen Pünktlichkeit erfolgreich widerlegt. ;) Gegen 8:30 begannen immer die OPs: Tumore über Tumore - rektal, Colon (Dickdarm), ösophageal (Speiseröhre), mesenterial, Klatskin ..., Cholezystektomien (Gallenblasenentfernung), Megacolon, Hernien aller Art, Hämorrhoidenentfernungen u.v.m. Da im OP doch immer unglaublich viele Helfer da waren, konnten wir leider nicht assistieren. Aber durch die Wer-braucht-schon-Sicherheitsabstand-Regel hier in Vietnam kann man trotzdem alles haargenau mitverfolgen. Und wenn laparoskopisch operiert wurde (also mit Kamera) und dann auch noch der Chef selbst das Skalpell in die Hand nahm, verwandelte sich der Saal auch schnell mal in ein Kino - Rekord: 17 Schaulustige in einem Raum. :) Bilder während OPs habe ich bisher nur mit Handy gemacht - die gibt es dann zu Hause zu sehen, also lasst eurer Fantasie freien Lauf. Zwischen 12 und 14 Uhr (manchmal Beginn auch schon 11 oder 11:30 je nach Vormittags-OP) ist immer die berühmte Mittagspause der Vietnamesen mit Mittagessen und Mittagsschlaf. Gülsen hat die Gelegenheit genutzt und auf ein paar zusammengerückten Stühlen im Konferenzraum ein Nickerchen gehalten, ich dagegen habe fleißig Tagebuch geschrieben (hänge immer ein paar Tage zurück). Hier ein paar Bilder vom Alltag in Hue:
Gülsen und ich in Schale geworfen
OP-Plan der Woche - leider nur in Vietnamesisch - lesen wir immer fleißig und tun so, als ob wir alles verstehen würden :)
da pass ich 2x rein :)
leerer OP-Saal - besser als nix, oder?!
Mittagessen in der Cafeteria - für 20000 Dong, was ca. 80 Cent sind
Mittagessen im Park mit Anh - an 6 Tagen im Monat isst sie nur vegetarisch, wie z.B. am Freitag und somit hat sie Essen aus einem vegetarischen Restaurant für uns mitgebracht - mmmmh! :) Ich trinke jetzt übrigens auch Cafe sua = Kaffe mit Milch - mit Eis natürlich.
Am Dienstag hatte Gülsen Geburtstag und wir haben abends nach der Arbeit zusammen das Backpacker-Viertel unsicher gemacht, lecker gegessen und Huda-Bier (Bier aus Hue) und Cocktails getrunken. Donnerstag Abend war ich dann mit Anh auf den Night Market (Nachtmarkt) entlang des Flusses, wo es Sachen, Schuhe und Taschen, Bilder, Schmuck, Spielzeug und eine Menge Schnickschnack gibt. Danach tranken wir noch Chè - vietnamesische süße kalte (mit Eis - was sonst) Suppe, eine Art Dessert. Davon gibt es viele verschiedene mit unterschiedlichem Inhalt: Bohnen aller Art, Früchte und Samen (z.B. Lotussamen), Gelee-Gummitierartig, Pflanzenextrakte u.v.m. Ich hatte Chè bột lọc - wer will, kann es ja mal googlen. :) Bei Tung hatte ich mal Chè hạt sen getrunken - mit Lotussamen - sehr lecker! Hier also ein paar Fotos:
bunter Night Market - ist übrigens jeden Tag
Verkauf von Chè - mmh, erkennt man nicht so richtig - googlen! :)
Samstag früh habe ich dann um 8 Uhr den Bus nach Danang genommen. Da dieser in der Stadt losfuhr und ich ungern mein Fahrrad übers Wochenende dort abstellen wollte - ihr erinnert euch an das Fahrradschloss ;) - bin ich früh ca. 40 min hineingelaufen und habe mit meinem Teleobjektiv ein paar Bilder gemacht.
Bananen und andere Früchte werden überall am Straßenrand verkauft
Drachenboote am Song Huong
kleines Boot auf dem Song Huong
Tung holte mich zur Mittagszeit in Danang ab und wir gingen in ein Restaurant essen - bánh cuốn = Frühlingsrollen. Aber nicht so wie bei uns... nein, hier füllt und rollt man sich seine Frühlingsrollen selbst. :) Danach ging's zu Tung nach Hause zum Mittagsschlaf - ja, selbst für die kleine Jana diesmal, denn ich war ganz schön fertig von der Woche. Gegen um 5 fuhren wir dann alle zusammen mit 2 Motorrädern - ich mit Tung und Topi zwischen uns - zum Strand. Die meisten Vietnamesen gehen nur sehr zeitig früh (sogar schon um 5) oder abends vor dem Sonnenuntergang an der Strand, denn übern Tag hält man's dort kaum aus. Apropos früh - Anh steht immer um 4 Uhr auf zum Joggen und das ist gar keine so ungewöhnliche Zeit für Vietnam... ich kann mich ja an vieles gewöhnen, aber daran bestimmt nicht. Um 6 Uhr in der Woche reicht vollkommen aus! Zurück zum Strand - das Wasser war total warm und die Wellen der Hammer, riesig! Hat super viel Spaß gemacht. :) Nachdem wir alle Unmengen von Salzwasser geschluckt hatten, war es höchste Zeit fürs Abendessen: Mì Quảng, Nudeln aus der Region. Geschlafen habe ich dann wieder bei Phuong, der Nachbarin von gegenüber. Falls ihr euch noch erinnert - aus dem einen kleinen Kätzchen sind nun drei geworden. Ihnen sind noch 2 weitere zugelaufen. Ach, da hat sich Jana aber gefreut - super süß! :)
Am nächsten Morgen haben Tung und ich uns auf sein Motorrad geschwungen und sind zur Linh Ứng Pagode - nahe Danang gefahren, welche am Meer auf einem Berg steht. Von Weitem kann man schon die weiße (hochhaushohe) Statue eines weiblichen Buddhas erkennen. Der Ort ist wunderschön, die Pagode reich geschmückt und der Blick auf die Stadt und das Meer atemberaubend. Nur die Hitze zwingt einen, sich von einem Schatten zum anderen zu retten. Nach dem Mittagessen ging es dann auch schon wieder mit dem Bus Richtung "Heimat" - zusammen mit Tung, da dieser die Woche über in Hue Konferenzen hat. Wenn der Bus übrigens überfüllt ist, sitzen einige Fahrgäste dann im Gang auf Plastikstühlen und Hockern. ;) Zum Glück war für mich noch Sitz frei und zwar neben einer Australierin aus Perth (Dawn) um die 50 Jahre alt, die alleine einen Monat durch Vietnam backpackt - ohne Tour und alles. Sie meinte nur: einmal Backpacker, immer Backpacker. :) Sieht man auch nicht alle Tage.
Noch eine weitere tolle Begegnung des Wochenendes: der Bus zwischen Hue und Danang stoppt immer für eine halbe Stunde in einem kleinen Dorf. Wenn man ein paar Meter einen Weg hinterläuft, kommt man an einen wunderschönen See, umgeben von Bergen. Dort habe ich auf meiner Hinfahrt Hue kennengelernt (ja, wie die Stadt). Sie saß auf dem Boden und bot mir etwas von ihrer Pomelp-ähnlichen Frucht an. Setze mich zu ihr und wir kamen ins Gespräch - ihr Englisch war wirklich gut. Sie lebt gleich am See mit ihrem 8-jährigen Sohn und einem Baby. Und hatte eine große Sammlung an ausländischen Münzen und Geldscheinen bei sich, von der sie mir einiges schenkte, während ich ihr deutsche Euro-Münzen gab. Wir haben Telefonnummern ausgetauscht (was in Vietnam oft bei jeder kleinen Begegnung passiert) und sie meinte, dass nächste mal sollte ich doch eine Nacht bei ihr verbringen und sie würde mir die Umgebung zeigen. Tja, das ist Vietnam. :) Und nun noch ein paar Fotos vom Wochenende:
Frühlingsrollen - oder zumindest die Zutaten dafür ;)
mit den Motorrädern am Strand
Linh Ứng Pagode
weibliche Buddha-Statue
im Inneren der Pagode
Blick nach Danang (mit Frangipani im Vordergrund :-D )
Räucherstäbchen vor dem Tempel
Lotusblüte - Vietnams Nationalblume
See in den Bergen am Busstopp
Hue mit ihren zwei Kindern und mir - hihi, ich bin größer :)
Bin hier überhaupt größer als viele Vietnamesen, ein tolles Gefühl. ;)
Puh, das war's! Sollte das nächste mal schneller updaten, dann ist das auch kein so abendfüllendes Programm...
Ich hoffe, euch hat's gefallen. Für Kommentare und Anregungen: siehe Link unten. :)
Bis bald, eure Jana
PS: Ich weiß, ich habe euch Videos versprochen... Allerdings ist mein Inet wahrscheinlich zu langsam, das updaten klappt nicht. Aber ich werde versuchen, schnelleres irgendwo aufzutreiben und dann gibt's vietnamesischen Verkehr live. ;)
Montag, 13. August 2012
Es war einmal ein Kaiser...
... namens Gia Long - und der begann 1802 mit dem Bau einer prachtvollen Zitadelle neben dem Song Huong in Hue. Diese sollte nicht nur eine Festung werden, sondern gleichzeitig eine Wohnstadt für die kaiserliche Familie und die Beamten. Somit entstand eine "Stadt in der Stadt", von einer Mauer umgeben, mit eigenen Dörfern, künstlichen Bergen und Seen, Tempeln und Alleen. Und in der Mitte lagen die kaiserlichen Paläste.
Dies war also mein auserkorenes Ziel am Samstag. Mit dem Fahrrad ging es über die Brücke, am Flaggenturm vorbei und durchs Tor der Stadtmauer. Und das erst gegen 10 Uhr (ab und zu brauche ich auch Schlaf!) - was keine so gute Idee war, denn in der Mittagshitze den Tag draußen zu verbringen, ist nicht gerade ein Zuckerschlecken. Aber zum Glück blieb die Sonne meist hinter Wolken verborgen - was hier in Vietnam eine echte Erleichterung ist, obwohl ich ja blauen Himmel zum Fotografieren bevorzuge. Mein Fahrrad blieb vor der Stadtmauer stehen - und das zum Glück bis zu meiner Rückkehr. Ihr müsst wissen, dass mein Schloss nicht gerade sehr vertrauenserweckend ist. Als Aaron letzten Mittwoch Abend (bei unserem "Date" mit Dr. Hung) seinen Schlüssel fürs Fahrradschloss nicht mehr fand, wurde kurzerhand ein großes Messer aus der Küche geholt und mit 3 Hieben war das Schloss Matsch. Wer also mein Fahrrad wirklich haben will... :P
Die kaiserlichen Paläste - die eigentliche Sehenswürdigkeit - sind nochmals von einer Mauer umgeben, kosten Eintritt (nur so 3 Euro) und laden zum Herumschlendern und Erkunden ein. Hinterm sogenannten Mittagstor (Ngo Mon), durch welches man das Innere betritt, liegt ein mehrere 100 m² großes Gebiet mit unzähligen Gebäuden. Da die Stadt 1968 in der Tet-Offensive im Vietnamkrieg stark bombardiert wurde, sind heute von den ehemals 300 Gebäuden nur noch ca. 80 zu erkennen und viele davon sind verfallen und nur noch Ruinen. In den letzten Jahres wurden jedoch viele Gebäude wieder aufgebaut und die Restaurierungsarbeiten halten bis heute an. Zu denen zählen die Halle der höchsten Harmonie (Dien Thai Hoa), die einem Thronsaal gleicht und dem Empfang von Gesandten und der Ausrichtung von Feierlichkeiten diente (drinnen ist Fotografieren verboten und Jana hat sich auch fein daran gehalten). Weiterhin das Theater, die Bibliothek, Pavillons, der Tempel der Ahnen, der Generationentempel und einige mehr. Letztere ist reich geschmückt und beinhaltet 10 Altare der einstigen Kaiser. Auf dem Hof davor stehen die neun dynastischen Urnen, jeweils 2m hoch, aus Bronze gegossen und mit Ornamenten (meist Landschaftsbildern) versehen, die die Schönheit und Einzigartigkeit Vietnams preisen sollen. Hier also ein paar Impressionen - ist ja sonst schwer vorzustellen:
Mittagstor (Ngo Mon), Eingang zu den kaiserlichen Palästen
im Inneren des Theaters
Sonntag traf ich mich dann nachmittags mit Anh, einer vietnamesischen Studentin, die ich im Park kennengelernt hatte. Sie hatte mir angeboten, abends zum Sonnenuntergang mal mit ihrem Motorrad zum 15 km entfernten Strand zu fahren. Sie ist super lieb und freut sich, mir alles zeigen zu können und jemanden zum Englisch üben zu haben. ;) Der Strand war voller Menschen - kein Wunder, bei der Hitze - aber super schön. Habe das Meer richtig vermisst. War baden - ohne Anh, sie kann nicht schwimmen - wie so einige Vietnamesen, denn wer nicht gerade am Meer wohnt, lernt es hier nicht unbedingt. Und haben viele Fotos gemacht, Anh war begeistert von meiner Kamera. ;) Waren danach noch in Hue zusammen essen in einem Imbiss direkt auf dem Bürgersteig. Saßen auf mini Hockern und aßen Bènh Khoai - mmmh. Hier die Bilder:
Heute hatte ich dann meinen ersten Tag in der Abdominal- und Kinderchirurgie (eine Abteilung). Traf dort eine weitere deutsche Studentin - Gülsen - die hier 2 Monate ihres Chirurgie-Tertials des PJ verbringt - hatte heute ihren ersten Tag. Hier können anscheinened so einige Ärzte Englisch, einer lernt sogar gerade Deutsch. ;) Sahen heute eine Megacolon-OP eines Babies und mehrere laparoskopische Cholezystektomien (Gallenblasenentfernung). Werden auch hier meist im OP sein und sonst nur an der Morgenbesprechung teilnehmen (die aber nur an 2 Tagen der Woche in Englisch (oder Französisch) ist, sonst Vietnamesisch. War ein schöner Auftakt heute, die Woche wird bestimmt interessant.
Habe noch ein paar Videos auf dem Weg nach Hause heute gemacht. Allerdings dauert das hochladen gerade ewig und ich muss ins Bett. Reiche diese also morgen nach. ;)
Ganz liebe Grüße von eurer Jana und bis bald!
Dies war also mein auserkorenes Ziel am Samstag. Mit dem Fahrrad ging es über die Brücke, am Flaggenturm vorbei und durchs Tor der Stadtmauer. Und das erst gegen 10 Uhr (ab und zu brauche ich auch Schlaf!) - was keine so gute Idee war, denn in der Mittagshitze den Tag draußen zu verbringen, ist nicht gerade ein Zuckerschlecken. Aber zum Glück blieb die Sonne meist hinter Wolken verborgen - was hier in Vietnam eine echte Erleichterung ist, obwohl ich ja blauen Himmel zum Fotografieren bevorzuge. Mein Fahrrad blieb vor der Stadtmauer stehen - und das zum Glück bis zu meiner Rückkehr. Ihr müsst wissen, dass mein Schloss nicht gerade sehr vertrauenserweckend ist. Als Aaron letzten Mittwoch Abend (bei unserem "Date" mit Dr. Hung) seinen Schlüssel fürs Fahrradschloss nicht mehr fand, wurde kurzerhand ein großes Messer aus der Küche geholt und mit 3 Hieben war das Schloss Matsch. Wer also mein Fahrrad wirklich haben will... :P
Die kaiserlichen Paläste - die eigentliche Sehenswürdigkeit - sind nochmals von einer Mauer umgeben, kosten Eintritt (nur so 3 Euro) und laden zum Herumschlendern und Erkunden ein. Hinterm sogenannten Mittagstor (Ngo Mon), durch welches man das Innere betritt, liegt ein mehrere 100 m² großes Gebiet mit unzähligen Gebäuden. Da die Stadt 1968 in der Tet-Offensive im Vietnamkrieg stark bombardiert wurde, sind heute von den ehemals 300 Gebäuden nur noch ca. 80 zu erkennen und viele davon sind verfallen und nur noch Ruinen. In den letzten Jahres wurden jedoch viele Gebäude wieder aufgebaut und die Restaurierungsarbeiten halten bis heute an. Zu denen zählen die Halle der höchsten Harmonie (Dien Thai Hoa), die einem Thronsaal gleicht und dem Empfang von Gesandten und der Ausrichtung von Feierlichkeiten diente (drinnen ist Fotografieren verboten und Jana hat sich auch fein daran gehalten). Weiterhin das Theater, die Bibliothek, Pavillons, der Tempel der Ahnen, der Generationentempel und einige mehr. Letztere ist reich geschmückt und beinhaltet 10 Altare der einstigen Kaiser. Auf dem Hof davor stehen die neun dynastischen Urnen, jeweils 2m hoch, aus Bronze gegossen und mit Ornamenten (meist Landschaftsbildern) versehen, die die Schönheit und Einzigartigkeit Vietnams preisen sollen. Hier also ein paar Impressionen - ist ja sonst schwer vorzustellen:
Flaggenturm am Rande der Zitadelle (Frangipanibäume!)
Mittagstor (Ngo Mon), Eingang zu den kaiserlichen Palästen
Drachen auf dem Dach der Halle der höchsten Harmonie (Dien Thai Hoa)
im Inneren des Theaters
frisch gestrichene rot-goldene Türen
Frangipani natürlich - überall :D
täglicher vietnamesischer Mittagsschlaf
Generationenhalle mit der meistverzierten Urne, welche Kaiser Gia Long zugedacht war
Generationenhalle von innen
Selbstportrait (mit meinem tollen neuen Ministativ) und eines der reich verzierten zahlreichen Tore
Und dann stoppten wir noch in einem Coffe House am Song Huong, wo ich meinen ersten vietnamesischen Kaffee trank - mit Eis, ganz typisch. ;) Denn in Vietnam wird Kaffee selbst angebaut und ist sehr bekannt, musste ich also mal probieren. War gar nicht so übel, vielleicht entwickle ich mich hier ja noch zum Kaffeetrinker.
Heute hatte ich dann meinen ersten Tag in der Abdominal- und Kinderchirurgie (eine Abteilung). Traf dort eine weitere deutsche Studentin - Gülsen - die hier 2 Monate ihres Chirurgie-Tertials des PJ verbringt - hatte heute ihren ersten Tag. Hier können anscheinened so einige Ärzte Englisch, einer lernt sogar gerade Deutsch. ;) Sahen heute eine Megacolon-OP eines Babies und mehrere laparoskopische Cholezystektomien (Gallenblasenentfernung). Werden auch hier meist im OP sein und sonst nur an der Morgenbesprechung teilnehmen (die aber nur an 2 Tagen der Woche in Englisch (oder Französisch) ist, sonst Vietnamesisch. War ein schöner Auftakt heute, die Woche wird bestimmt interessant.
Habe noch ein paar Videos auf dem Weg nach Hause heute gemacht. Allerdings dauert das hochladen gerade ewig und ich muss ins Bett. Reiche diese also morgen nach. ;)
Ganz liebe Grüße von eurer Jana und bis bald!
Freitag, 10. August 2012
Ab unter's Messer!
Huhu, ich lebe noch! :) Bin nicht unter's Skalpell gekommen... oder unter die Räder der zahlreichen Motorrad-Fahrer, die mich jeden Tag überholen, wenn ich meine 3 km in die Stadt zum Krankenhaus radle. Nein, ich war nur sehr beschäftigt und auch ein wenig faul, geb ich zu. ;) Deshalb der späte Blogeintrag... doch ich verspreche, über's Wochenende wird's definitiv noch mehr zu hören und zu sehen geben. Denn da habe ich endlich Zeit für ein bisschen "Sightseeing", also Augen auf. :)
Meine Woche begann mit einem Besuch im International Cooperation Departement im Hue Central Hospital - oder besser gesagt dem "Bệnh viện Trung ương Huế". Ich wurde sehr nett empfangen, auch wenn die Verständigung mehr über Hände und Füße ging, denn das Englisch des guten Frau war doch eher dürftig. War aber kein Problem. Sie gab mir eine Liste der Abteilungen, die das Krankenhaus besitzt und ich durfte wählen, wo ich hin möchte. Wow, das waren viele, es ist wirklich riesig. Habe mich dann für 4 unterschiedliche entschieden, jede Woche etwas anderes: 1. Woche: Herz-Thorax-Chirurgie, 2. Woche: Abdominalchirurgie, 3. Woche: Neurochirurgie, 4. Woche: Gynäkologie. So mein Plan - vielleicht ändert sich auch noch etwas, mal sehen...
So, ab hier wird es nun medizinisch. An alle Nicht-Mediziner: ich versuche es, so verständlich wie möglich zu machen... einiges bleibt wahrscheinlich trotzdem ein Rätsel... quält euch einfach durch. ;)
Diese Woche waren also die Herzchirurgen am Werk. Empfangen wurde ich lustigerweise von einem vietnamesischen Anästhesisten, der recht gut deutsch spricht. :) (Gibt auch noch eine deutsch-sprechende Schwester, die mal mehrere Jahre in Leipzig war - wer hätte das gedacht?!) Er zeigte mir kurz das "Operation Theatre" und die "Schleuse" - welche eigentlich keine ist. Es gibt lediglich einen Gang mit 2 Umkleidekabinen, die immer offen stehen. Sachen gibt es bei den Frauen irgendwie nie, ich hab mir welche von den Männern gemobst - in die Hose pass ich 3x rein. ;) Überhaupt gibt es kaum Sachen, geschweige denn verschiedene Größen und die Schuhe liegen einfach im Gang herum. Während und nach einem OP-Tag sieht das dann etwa so aus:
Es gibt einen großen Vorraum, in dem man sich einwaschen kann. Von dem gehen 4 OP-Räume ab und der Zugang zur Herz-Thorax-Intensivstation. Es gibt nur Seife und Bürsten, Desinfektionsmittel ist rar und wird fast nie benutzt. Die OP-Räume sind jedoch sehr modern ausgestattet, fast vergleichbar mit unseren Standards. Die OP-Leuchten sind übrigens von der deutschen Firma "Martin". ;) Habe heute entdeckt, dass die Fenster mit Klebeband an den Kanten zugeklebt sind zum Schutz vor Ungeziefer, da diese hier in Vietnam eigentlich nie vollständig abschließen. ;) Auf Sterilisierung wird hier ebenfalls geachtet - nichts anfassen! Allerdings gibt es keinen Sicherheitsabstand zum OP-Bereich und so kommt es doch des öfteren vor, dass ein Arzt oder eine Schwester dem Chirurgen über die Schulter schaut und dabei die Hand auf dessen Rücken ablegt (der ja eh als nicht steril gilt)... Ohoh! :P Wenn es interessant wird, sind auch schnell mal 10 Köpfe übers OP-Gebiet gestreckt - 4 sterile, 2 hinterrücks und 4 von Anästhesisten-Seite zusammengekuschelt. Überhaupt ist im OP alles sehr locker, keine strenge Hirarchie wie bei uns, alle sind sehr freundschaftlich miteinander und man hat schnell mal einen Arm um die Schulter liegen. Handys haben Netz und werden auch regelmäßig im Saal benutzt - sowohl für SMS und Telefonate als auch zum Angry Birds spielen. Außerdem auch i-Pads und Laptops zum Zeitvertreib. ;)
Lernte am Montag im OP gleich einen Medizinstudenten aus England kennen - Aaron - der die Woche im gleichen Departement sein sollte (jedoch seine letzte, hat schon 2 weg). War super, denn nicht alle Ärzte können Englisch - was ja zu erwaten war (einige können Französisch, aber das ist eher eingerostet bei mir) und somit hatte ich immer einen Gesprächspartner. Uns wurde jedes mal Platz hinterm Anästhesistentuch gemacht - und mir ein Höckerchen hingestellt ;) - und wir hatten den perfekten Blick aufs offene Herz. Wer Englisch kann, versuchte uns so gut wie möglich zu erklären, was denn gemacht werde. Aber auch ohne Erklärungen versteht man doch sehr viel und die OPs sind immer sehr eindrucksvoll. Es werden sowohl Erwachsene als auch Kinder und Babies operiert. Ein Arzt erklärte uns, dass es wegen einer großen Röteln-Epidemie letzten Jahres (und anderen Infektionen) sehr viele Malformationen am Herzens gibt. Wir sahen also: Fallot'sche Tetralogien, VSDs, ASDs, Mitral- und Aortenklappen-OPs, eine Bypass-OP und eine Karotis-Endareriektomie (ich hoffe, das lesen auch ein paar Mediziner :P). Am Mittwoch durfte ich dann bei einer Lobektomie der rechten Lunge assistieren - einer Resektion des Unterlappens, wo ein Ei-großer Tumor drinsaß. War super! ;) Aaron hat auch 2x assistiert. Da wir sehr viele Kinder die Woche über operierten, war leider nicht mehr Assistenz für uns drin - denn sie lassen uns nur an Erwachsene ran. Unsere Arbeitszeiten waren eher kurz: von 7:45 an, wenn wir die Vorbereitungen der Patienten im OP mit sehen wollten, bis 13 - 15 Uhr - je nach OP-Plan und Dauer. Donnerstag ging's mal bis 16 Uhr. Dafür machen die Herz-Thorax-Chirurgen jedoch keine Mittagspause, es hieß also: viel essen zum Frühstück und hoffen, dass man die Zeit übersteht. :)
Hier ein Bild von Aaron und mir heute:
Auf Station waren wir nur heute mal kurz - und da sieht man doch sofort, dass man fernab von zu Hause ist. Vor den Zimmern liegen um die 15 Paar Flip-Flops und Sandalen verstreut. In den Zimmern befinden sich 6-8 Betten, alle ohne Matrazen - die Patienten bringen selbst Holzmatten zum drauflegen aufs Gestell mit. Es scheint fast immer die ganze Familie anwesend zu sein, daher sind sowohl Zimmer als auch Gang völlig überfüllt. Um die Mittagszeit machen dann alle ihren Mittagsschlaf, auf Bett und Boden. ;) Und wenn Aaron und ich über den Gang gingen, drehten sich immer alle Köpfe zu uns. Ein bisschen unheimlich ist das schon...
Das war also meine erste Woche im Krankenhaus - verging wirklich super schnell. Bilder gibt es bisher leider kaum. Wir sollen keine Wertsachen mit ins Krankenhaus nehmen, denn einen abschließbaren Schrank habe wir i.d.R. nicht und es wird doch schnell mal geklaut. Deshalb also erst Recht keine Spiegelreflexkamera. Habe ab heute aber meine kleine Digicam im Rucksack - ich pfeif auf das Risiko. Denn ohne Kamera verpasst man doch so einiges, wie ich feststellen musste. Habe daher kein Bild für euch von meinem aufregenden Mittwoch-Abend, sondern nur die Geschichte selbst.
Aaron und ich wurden von einem Abdominal-Chirurgen - Hung (bei dem Aaron letzte Woche war) - nach der Arbeit zum Abendessen am Song Huong eingeladen. Da waren wir gleich wieder eine Attraktion, denn Touristen verirrten sich wohl eher selten dorthin. Wir saßen draußen am Fluss auf winzigen Plastestühlen, aßen gebratenen Mais, Tofu, Schweinefleisch, irgendwas mit Erdnüssen (?) und Brot und dranken dazu Unmengen von vietnamesischen Bier in Dosen - diese werden übrigens typischerweise, wenn sie geleert sind, einfach unter den Tisch fallen gelassen. ;) Dabei waren außerdem noch ein Freund und Englischlehrer von Hung mit seiner 12-jährigen Tochter (die bekam natürlich nur Cola) und noch 3 weitere Freunde/innen. Hihi, ihr kennt mich ja - ich und Bier... naja, Höflichkeit muss sein. Und es war gar nicht mal schlecht. ;) Nur füllte sich mein Glas immer wieder wie von Geisterhand, nachdem ich ein paar Schlucke drank. Und ich vertrag nicht grad viel... Angestoßen wurde um die 50x - kein Scherz, fast bei jedem Schluck - warum auch immer... Und dann musste ich auch noch mit dem Fahrrad nach Hause. :P War ein sehr unterhaltsamer Abend! Und auch wenn das eine oder andere englische Wort bei dem starken Akzent nicht zu verstehen ist (selbst nach mehrmaligem Wiederholen) - gelacht wurde trotzdem. :)
Die sonstigen Abende verbrachte ich zu Hause - es wird ja schon gegen 6 Uhr dunkel. Ans Schlafen musste ich mich erstmal gewöhnen - denn die Temperaturen in meinem Zimmer sinken eigentlich nie unter 30 °C, selbst bei offenen Fenster nachts. Ohne Klimaanlage eine Qual... naja, mein Ventilator läuft dafür dauerhaft. ;) Fürs mehrmalige in die Stadt und zurück fahren bei der Hitze war ich nachmittags leider zu bequem. Daher auch keine Bilder (Kamera übern Tag ja zu Hause)... :(
Dafür wird diese am Wochenende heiß laufen. :D Freut euch also drauf! Und ebenfalls coming soon: ein Video von der kleinen Jana auf dem Fahrrad in mitten der Motorräder. Heute Mittag nach der Arbeit war leider kaum was auf den Straßen los (Mittagsruhe) und ich will euch ja etwas bieten. ;)
Und ein weiterer Roman geht zu Ende...
Bis bald, eure Jana
Meine Woche begann mit einem Besuch im International Cooperation Departement im Hue Central Hospital - oder besser gesagt dem "Bệnh viện Trung ương Huế". Ich wurde sehr nett empfangen, auch wenn die Verständigung mehr über Hände und Füße ging, denn das Englisch des guten Frau war doch eher dürftig. War aber kein Problem. Sie gab mir eine Liste der Abteilungen, die das Krankenhaus besitzt und ich durfte wählen, wo ich hin möchte. Wow, das waren viele, es ist wirklich riesig. Habe mich dann für 4 unterschiedliche entschieden, jede Woche etwas anderes: 1. Woche: Herz-Thorax-Chirurgie, 2. Woche: Abdominalchirurgie, 3. Woche: Neurochirurgie, 4. Woche: Gynäkologie. So mein Plan - vielleicht ändert sich auch noch etwas, mal sehen...
So, ab hier wird es nun medizinisch. An alle Nicht-Mediziner: ich versuche es, so verständlich wie möglich zu machen... einiges bleibt wahrscheinlich trotzdem ein Rätsel... quält euch einfach durch. ;)
Diese Woche waren also die Herzchirurgen am Werk. Empfangen wurde ich lustigerweise von einem vietnamesischen Anästhesisten, der recht gut deutsch spricht. :) (Gibt auch noch eine deutsch-sprechende Schwester, die mal mehrere Jahre in Leipzig war - wer hätte das gedacht?!) Er zeigte mir kurz das "Operation Theatre" und die "Schleuse" - welche eigentlich keine ist. Es gibt lediglich einen Gang mit 2 Umkleidekabinen, die immer offen stehen. Sachen gibt es bei den Frauen irgendwie nie, ich hab mir welche von den Männern gemobst - in die Hose pass ich 3x rein. ;) Überhaupt gibt es kaum Sachen, geschweige denn verschiedene Größen und die Schuhe liegen einfach im Gang herum. Während und nach einem OP-Tag sieht das dann etwa so aus:
Es gibt einen großen Vorraum, in dem man sich einwaschen kann. Von dem gehen 4 OP-Räume ab und der Zugang zur Herz-Thorax-Intensivstation. Es gibt nur Seife und Bürsten, Desinfektionsmittel ist rar und wird fast nie benutzt. Die OP-Räume sind jedoch sehr modern ausgestattet, fast vergleichbar mit unseren Standards. Die OP-Leuchten sind übrigens von der deutschen Firma "Martin". ;) Habe heute entdeckt, dass die Fenster mit Klebeband an den Kanten zugeklebt sind zum Schutz vor Ungeziefer, da diese hier in Vietnam eigentlich nie vollständig abschließen. ;) Auf Sterilisierung wird hier ebenfalls geachtet - nichts anfassen! Allerdings gibt es keinen Sicherheitsabstand zum OP-Bereich und so kommt es doch des öfteren vor, dass ein Arzt oder eine Schwester dem Chirurgen über die Schulter schaut und dabei die Hand auf dessen Rücken ablegt (der ja eh als nicht steril gilt)... Ohoh! :P Wenn es interessant wird, sind auch schnell mal 10 Köpfe übers OP-Gebiet gestreckt - 4 sterile, 2 hinterrücks und 4 von Anästhesisten-Seite zusammengekuschelt. Überhaupt ist im OP alles sehr locker, keine strenge Hirarchie wie bei uns, alle sind sehr freundschaftlich miteinander und man hat schnell mal einen Arm um die Schulter liegen. Handys haben Netz und werden auch regelmäßig im Saal benutzt - sowohl für SMS und Telefonate als auch zum Angry Birds spielen. Außerdem auch i-Pads und Laptops zum Zeitvertreib. ;)
Lernte am Montag im OP gleich einen Medizinstudenten aus England kennen - Aaron - der die Woche im gleichen Departement sein sollte (jedoch seine letzte, hat schon 2 weg). War super, denn nicht alle Ärzte können Englisch - was ja zu erwaten war (einige können Französisch, aber das ist eher eingerostet bei mir) und somit hatte ich immer einen Gesprächspartner. Uns wurde jedes mal Platz hinterm Anästhesistentuch gemacht - und mir ein Höckerchen hingestellt ;) - und wir hatten den perfekten Blick aufs offene Herz. Wer Englisch kann, versuchte uns so gut wie möglich zu erklären, was denn gemacht werde. Aber auch ohne Erklärungen versteht man doch sehr viel und die OPs sind immer sehr eindrucksvoll. Es werden sowohl Erwachsene als auch Kinder und Babies operiert. Ein Arzt erklärte uns, dass es wegen einer großen Röteln-Epidemie letzten Jahres (und anderen Infektionen) sehr viele Malformationen am Herzens gibt. Wir sahen also: Fallot'sche Tetralogien, VSDs, ASDs, Mitral- und Aortenklappen-OPs, eine Bypass-OP und eine Karotis-Endareriektomie (ich hoffe, das lesen auch ein paar Mediziner :P). Am Mittwoch durfte ich dann bei einer Lobektomie der rechten Lunge assistieren - einer Resektion des Unterlappens, wo ein Ei-großer Tumor drinsaß. War super! ;) Aaron hat auch 2x assistiert. Da wir sehr viele Kinder die Woche über operierten, war leider nicht mehr Assistenz für uns drin - denn sie lassen uns nur an Erwachsene ran. Unsere Arbeitszeiten waren eher kurz: von 7:45 an, wenn wir die Vorbereitungen der Patienten im OP mit sehen wollten, bis 13 - 15 Uhr - je nach OP-Plan und Dauer. Donnerstag ging's mal bis 16 Uhr. Dafür machen die Herz-Thorax-Chirurgen jedoch keine Mittagspause, es hieß also: viel essen zum Frühstück und hoffen, dass man die Zeit übersteht. :)
Hier ein Bild von Aaron und mir heute:
Auf Station waren wir nur heute mal kurz - und da sieht man doch sofort, dass man fernab von zu Hause ist. Vor den Zimmern liegen um die 15 Paar Flip-Flops und Sandalen verstreut. In den Zimmern befinden sich 6-8 Betten, alle ohne Matrazen - die Patienten bringen selbst Holzmatten zum drauflegen aufs Gestell mit. Es scheint fast immer die ganze Familie anwesend zu sein, daher sind sowohl Zimmer als auch Gang völlig überfüllt. Um die Mittagszeit machen dann alle ihren Mittagsschlaf, auf Bett und Boden. ;) Und wenn Aaron und ich über den Gang gingen, drehten sich immer alle Köpfe zu uns. Ein bisschen unheimlich ist das schon...
Das war also meine erste Woche im Krankenhaus - verging wirklich super schnell. Bilder gibt es bisher leider kaum. Wir sollen keine Wertsachen mit ins Krankenhaus nehmen, denn einen abschließbaren Schrank habe wir i.d.R. nicht und es wird doch schnell mal geklaut. Deshalb also erst Recht keine Spiegelreflexkamera. Habe ab heute aber meine kleine Digicam im Rucksack - ich pfeif auf das Risiko. Denn ohne Kamera verpasst man doch so einiges, wie ich feststellen musste. Habe daher kein Bild für euch von meinem aufregenden Mittwoch-Abend, sondern nur die Geschichte selbst.
Aaron und ich wurden von einem Abdominal-Chirurgen - Hung (bei dem Aaron letzte Woche war) - nach der Arbeit zum Abendessen am Song Huong eingeladen. Da waren wir gleich wieder eine Attraktion, denn Touristen verirrten sich wohl eher selten dorthin. Wir saßen draußen am Fluss auf winzigen Plastestühlen, aßen gebratenen Mais, Tofu, Schweinefleisch, irgendwas mit Erdnüssen (?) und Brot und dranken dazu Unmengen von vietnamesischen Bier in Dosen - diese werden übrigens typischerweise, wenn sie geleert sind, einfach unter den Tisch fallen gelassen. ;) Dabei waren außerdem noch ein Freund und Englischlehrer von Hung mit seiner 12-jährigen Tochter (die bekam natürlich nur Cola) und noch 3 weitere Freunde/innen. Hihi, ihr kennt mich ja - ich und Bier... naja, Höflichkeit muss sein. Und es war gar nicht mal schlecht. ;) Nur füllte sich mein Glas immer wieder wie von Geisterhand, nachdem ich ein paar Schlucke drank. Und ich vertrag nicht grad viel... Angestoßen wurde um die 50x - kein Scherz, fast bei jedem Schluck - warum auch immer... Und dann musste ich auch noch mit dem Fahrrad nach Hause. :P War ein sehr unterhaltsamer Abend! Und auch wenn das eine oder andere englische Wort bei dem starken Akzent nicht zu verstehen ist (selbst nach mehrmaligem Wiederholen) - gelacht wurde trotzdem. :)
Die sonstigen Abende verbrachte ich zu Hause - es wird ja schon gegen 6 Uhr dunkel. Ans Schlafen musste ich mich erstmal gewöhnen - denn die Temperaturen in meinem Zimmer sinken eigentlich nie unter 30 °C, selbst bei offenen Fenster nachts. Ohne Klimaanlage eine Qual... naja, mein Ventilator läuft dafür dauerhaft. ;) Fürs mehrmalige in die Stadt und zurück fahren bei der Hitze war ich nachmittags leider zu bequem. Daher auch keine Bilder (Kamera übern Tag ja zu Hause)... :(
Dafür wird diese am Wochenende heiß laufen. :D Freut euch also drauf! Und ebenfalls coming soon: ein Video von der kleinen Jana auf dem Fahrrad in mitten der Motorräder. Heute Mittag nach der Arbeit war leider kaum was auf den Straßen los (Mittagsruhe) und ich will euch ja etwas bieten. ;)
Und ein weiterer Roman geht zu Ende...
Bis bald, eure Jana
Sonntag, 5. August 2012
Jetzt wirklich mittendrin
Hallo alle zusammen!
Ich melde mich zurück und zwar aus "meinem" Haus in Hue, wobei das Wort "Haus" doch nun leicht untertrieben ist. Aber dazu später. :)
Mit meinem Flug hatte alles gut geklappt und somit war ich gegen 16:30 in Danang gelandet. Dort empfingen mich auch zugleich Tung und seine kleine Tochter, Topi (nicht sicher, ob ich die vietnamesischen Namen richtig schreibe). Und natürlich ganz typisch vietnamesisch ging es dann mit dem Motorad nach Hause. Das müsst ihr euch vorstellen (denn ein Bild gibt's leider nicht), mein kleiner Rucksack und Topi vor Tung stehend und ich hinter Tung mit meinem riesengroßen Rucksack auf dem Rücken - das arme Motorad... Wer den Rucksack übrigens nicht von Australien kennt... ich mach mal irgendwann ein schönes Bild für euch :)
Das Haus der kleinen Familie (Mama = Mi, Junge = Topo) liegt in einer kleinen Gasse neben dem Strand. Hier Bilder: links das Haus und rechts Tung mit Kindern am Strand:
Die Häuser in Vietnam sind immer sehr offen zur Straße hin gebaut. Man hat direkt einen Blick ins Innere des Hauses, meistens das Wohnzimmer mit Küche. Nach anfänglichen Verständisproblemen auf Deutsch sind wir dann schnell auf Englisch umgeschwungen - das war dann doch einfacher. Tung hat zwar mit seiner Familie bis Herbst letzten Jahres in Jena gewohnt (ich glaube ca. 2 Jahre), aber ohne ständige Anwendung verrostet die neue Sprache natürlich sehr schnell. Ein paar deutsche Brocken fielen doch ab und zu. :) Zum Abendbrot hatte Mi sehr lecker vietnamesische Nudeln mit Garnelen gekocht. Zuvor gab es eine süße kalte Suppe - sehr typisch hier, im Glas serviert - mit Lotussamen. Mmmmh! :) Danach haben Tung und ich uns auf sein Motorad geschwungen und noch eine kleine Spritztour durch die Stadt gedreht, waren am Fluss, am Strand und zu guter Letzt in einem Coffee House (Kaffeehaus - gibt's ganz viele in Vietnam) - wo ich natürlich keinen Kaffee getrunken habe, sondern frischen Passionfruitsaft. Aber ich habe gekostet und vielleicht komme ich ja hier auf den Geschmack. :) Dabei müsst ihr wissen, dass in Vietnam ganz viel Kaffee angebaut wird und dieser sehr viel stärker ist als in Deutschland - eher einem Espresso gleich. Und er wird oft mit Eis getrunken. :) Das Fahren auf dem Motorrad im vietnamesischen Stadtverkehr macht übrigens echt total Spaß (solange ich nicht fahren muss) - und der Fahrtwind ist bei der Hitze eine Erleicherung.
Geschlafen habe ich die Nacht dann bei einer Nachbarin (Phuong - ja, der Name geht für männlich und weiblich) im gegenüber liegenden Haus, da Tung nur wenig Platz hatte und außerdem kein Zimmer mit Klimaanlage für mich. Das Haus von Phuong war riesig und wirklich sehr schön (gehört wohl einem Vietnamesen-Amerikaner), aber fast lehrstehend, da Phuong selbst gerade ein Haus baut und nur kurz zur Miete dort wohnt. Daher schliefen wir auch auf einer Matratze am Boden. Sie hatte übrigens vor kurzer Zeit ein Babykätzchen vor dem Verhundern von der Straße gerettet, welches nur noch Knochen war. Auf dem Bild hier sieht es schon wieder aufgepeppelt aus:
Ist mir früh, als ich dann alleine im Haus war, überall hin gefolgt - super süß. :)
Hatte Samstag den Fehler gemacht und Hotpants angezogen - wir hatten 36°C, also eigentlich berechtigt. Jedoch hatte ich vergessen mich einzucremen, bevor wir mit dem Motorrad zu einem Supermarkt gefahren sind. Habe nun einen gemeinen Sonnenbrand an den Beinen. :( Naja, aus Fehlern lernt man... die Vietnamesen wissen schon, warum sie größtenteils lange Hosen tragen (sogar Jeans) und Schultern bedecken.
Mit dem Bus ging es dann nachmittags in ungefähr 3 Stunden nach Hue und dort mit einem Taxi zum besagten Haus. Tja, und da war selbst die kleine Jana mal sprachlos, als sie davor stand:
Also ich würde das eine Villa nennen, hat schließlich 3 Badezimmer, 4 Schlafzimmer, große Küche, viel Platz und einige Balkone. Allerdings eher einfach eingerichtet, also kein purer Luxus. ;) Großes Manko: keine Klimaanlage, was hier echt kein Genuss ist. Man kann eben nicht alles haben... Habe übrigens einen Hund:
Das ist Dog - Tung weiß seinen Namen nicht, also habe ich ihn so getauft. ;) Eigentlich wissen wir auch nicht einmal, ob er ein er oder eine sie ist. Sollte mal nachschauen. :) Sagen wir er... ist glaube ich schon recht alt, wohnt draußen und darf nicht ins Haus. Bleibt auch immer an der Eingangstür liegen, gut erzogen. Er bekommt kein Hundefutter, sondern isst alles, was wir auch essen, kann daher also immer Reste haben. Meinte Tung zumindest. Ist hier in Vietnam wohl so, im Supermarkt gab es nämlich auch kaum Hundefutter. Reis und Instantnudeln hat er aber bei mir nicht angerührt. Ich hoffe, er verhungert mir nicht...
Ich habe hier auch ein Motorrad, allerdings bin ich noch etwas skeptisch, ob ich es benutzen sollte. Erstens: wegen dem Verkehr, zweitens: mein Führerschein gilt hier nicht, drittens: ich bin noch nie damit gefahren und wills auf keinen Fall zu Schrott fahren, ist nämlich fast neu. ;) Daher nehme ich das Fahrrad, Tung hat mir seins dagelassen.
Nach Shopping im Supermarkt - wo man in Vietnam übrigens keine Rucksäcke oder Taschen mit reinnehmen darf - waren wir dann Spezialitäten aus Hue essen. Also wer kein Fisch und keine Meeresdfüchte mag, ist hier wirklich aufgeschmissen. Oder verpasst zumindest was! Habe leider kein Bild davon, da ich meine Kamera zum einkaufen nicht mitnehmen wollte, kanns also nur beschreiben: kleine Schälchen mit einer Art Reiscreme, Krebsfleisch (glaube ich) und einem Cracker - was Schweinehaut war... ich weiß, klingt merkwürdig, war aber super lecker. Isst man mit Fischsoße, welche eigentlich an fast alle Gerichte hier gehört. Außerdem hab es noch etwas ähnliches in Bananenblättern eingepackt, Garnelen in dieser Art Reispaste. Mmmmh... hatte einiges übrig, konnte also heute Mittag beim Reste essen ein Bild davon machen (links):
Heute morgen waren wir dann noch zusammen in einem wunderschönen Coffee House, gar nicht weit weg von meinem Haus, direkt neben dem Song Huong (perfume river - Parfümfluss). Relativ neu und im traditionellen alten Stil gebaut. Da werde ich mich wohl noch öfter wiederfinden. :)
Nachdem dann Tung Mittags abgefahren war, blieb ich zu Hause und genoss mein neues Heim. Nun ja... an meine Mitbewohner muss ich mich noch gewöhnen: Egon, die Eidechse (wobei es davon viele gibt), Otto, der Frosch (in meinem Bad heute Abend aufgetaucht - das ist mein Bad!) und eine große Spinne im Flur, der ich erst gar keinen Namen gebe und einfach hoffe, dass sie sich morgen früh verkrochen hat - denn da hört meine Tierliebe nun wirklich auf.
Morgen ist dann mein erster Arbeitstag. Mein Krankenhaus ist ca. 3 km entfernt, da heißt es also in der Hitze kräftig strampeln. Bin schon aufgeregt, wünscht mir Glück. :)
Liebe Grüße,
eure Jana
PS: Habe Internet hier, kann also doch öfter mal schreiben. :)
Ich melde mich zurück und zwar aus "meinem" Haus in Hue, wobei das Wort "Haus" doch nun leicht untertrieben ist. Aber dazu später. :)
Mit meinem Flug hatte alles gut geklappt und somit war ich gegen 16:30 in Danang gelandet. Dort empfingen mich auch zugleich Tung und seine kleine Tochter, Topi (nicht sicher, ob ich die vietnamesischen Namen richtig schreibe). Und natürlich ganz typisch vietnamesisch ging es dann mit dem Motorad nach Hause. Das müsst ihr euch vorstellen (denn ein Bild gibt's leider nicht), mein kleiner Rucksack und Topi vor Tung stehend und ich hinter Tung mit meinem riesengroßen Rucksack auf dem Rücken - das arme Motorad... Wer den Rucksack übrigens nicht von Australien kennt... ich mach mal irgendwann ein schönes Bild für euch :)
Das Haus der kleinen Familie (Mama = Mi, Junge = Topo) liegt in einer kleinen Gasse neben dem Strand. Hier Bilder: links das Haus und rechts Tung mit Kindern am Strand:
Geschlafen habe ich die Nacht dann bei einer Nachbarin (Phuong - ja, der Name geht für männlich und weiblich) im gegenüber liegenden Haus, da Tung nur wenig Platz hatte und außerdem kein Zimmer mit Klimaanlage für mich. Das Haus von Phuong war riesig und wirklich sehr schön (gehört wohl einem Vietnamesen-Amerikaner), aber fast lehrstehend, da Phuong selbst gerade ein Haus baut und nur kurz zur Miete dort wohnt. Daher schliefen wir auch auf einer Matratze am Boden. Sie hatte übrigens vor kurzer Zeit ein Babykätzchen vor dem Verhundern von der Straße gerettet, welches nur noch Knochen war. Auf dem Bild hier sieht es schon wieder aufgepeppelt aus:
Ist mir früh, als ich dann alleine im Haus war, überall hin gefolgt - super süß. :)
Hatte Samstag den Fehler gemacht und Hotpants angezogen - wir hatten 36°C, also eigentlich berechtigt. Jedoch hatte ich vergessen mich einzucremen, bevor wir mit dem Motorrad zu einem Supermarkt gefahren sind. Habe nun einen gemeinen Sonnenbrand an den Beinen. :( Naja, aus Fehlern lernt man... die Vietnamesen wissen schon, warum sie größtenteils lange Hosen tragen (sogar Jeans) und Schultern bedecken.
Mit dem Bus ging es dann nachmittags in ungefähr 3 Stunden nach Hue und dort mit einem Taxi zum besagten Haus. Tja, und da war selbst die kleine Jana mal sprachlos, als sie davor stand:
Also ich würde das eine Villa nennen, hat schließlich 3 Badezimmer, 4 Schlafzimmer, große Küche, viel Platz und einige Balkone. Allerdings eher einfach eingerichtet, also kein purer Luxus. ;) Großes Manko: keine Klimaanlage, was hier echt kein Genuss ist. Man kann eben nicht alles haben... Habe übrigens einen Hund:
Das ist Dog - Tung weiß seinen Namen nicht, also habe ich ihn so getauft. ;) Eigentlich wissen wir auch nicht einmal, ob er ein er oder eine sie ist. Sollte mal nachschauen. :) Sagen wir er... ist glaube ich schon recht alt, wohnt draußen und darf nicht ins Haus. Bleibt auch immer an der Eingangstür liegen, gut erzogen. Er bekommt kein Hundefutter, sondern isst alles, was wir auch essen, kann daher also immer Reste haben. Meinte Tung zumindest. Ist hier in Vietnam wohl so, im Supermarkt gab es nämlich auch kaum Hundefutter. Reis und Instantnudeln hat er aber bei mir nicht angerührt. Ich hoffe, er verhungert mir nicht...
Ich habe hier auch ein Motorrad, allerdings bin ich noch etwas skeptisch, ob ich es benutzen sollte. Erstens: wegen dem Verkehr, zweitens: mein Führerschein gilt hier nicht, drittens: ich bin noch nie damit gefahren und wills auf keinen Fall zu Schrott fahren, ist nämlich fast neu. ;) Daher nehme ich das Fahrrad, Tung hat mir seins dagelassen.
Nach Shopping im Supermarkt - wo man in Vietnam übrigens keine Rucksäcke oder Taschen mit reinnehmen darf - waren wir dann Spezialitäten aus Hue essen. Also wer kein Fisch und keine Meeresdfüchte mag, ist hier wirklich aufgeschmissen. Oder verpasst zumindest was! Habe leider kein Bild davon, da ich meine Kamera zum einkaufen nicht mitnehmen wollte, kanns also nur beschreiben: kleine Schälchen mit einer Art Reiscreme, Krebsfleisch (glaube ich) und einem Cracker - was Schweinehaut war... ich weiß, klingt merkwürdig, war aber super lecker. Isst man mit Fischsoße, welche eigentlich an fast alle Gerichte hier gehört. Außerdem hab es noch etwas ähnliches in Bananenblättern eingepackt, Garnelen in dieser Art Reispaste. Mmmmh... hatte einiges übrig, konnte also heute Mittag beim Reste essen ein Bild davon machen (links):
und von innen
Nachdem dann Tung Mittags abgefahren war, blieb ich zu Hause und genoss mein neues Heim. Nun ja... an meine Mitbewohner muss ich mich noch gewöhnen: Egon, die Eidechse (wobei es davon viele gibt), Otto, der Frosch (in meinem Bad heute Abend aufgetaucht - das ist mein Bad!) und eine große Spinne im Flur, der ich erst gar keinen Namen gebe und einfach hoffe, dass sie sich morgen früh verkrochen hat - denn da hört meine Tierliebe nun wirklich auf.
Morgen ist dann mein erster Arbeitstag. Mein Krankenhaus ist ca. 3 km entfernt, da heißt es also in der Hitze kräftig strampeln. Bin schon aufgeregt, wünscht mir Glück. :)
Liebe Grüße,
eure Jana
PS: Habe Internet hier, kann also doch öfter mal schreiben. :)
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