Mittwoch, 3. Oktober 2012

Regenzeit - na und?!

Wir fliegen gerade über Delhi, Nordindien und ich dachte mir, ich vervollständige mal unseren Blog. Es ist wirklich nicht einfach up-to-date zu bleiben, reisen kann ganz schön anstrengend sein. :P Mal schauen, ob wir in Helsinki (Zwischenstopp) free WIFI haben werden... Es ist unglaublich – Vietnam ist in vielerlei Hinsicht so weit zurück in der Entwicklung und dennoch gibt es überall freies WLan – da könnte sich Deutschland echt mal ne Schneibe von abschneiden. Sogar im Bus Richtung Mekong Delta hatten wir Internet. ;)
Martin hat ja mal wieder einen Roman geschrieben – den ich noch nicht einmal gelesen habe – da kann ich natürlich nicht mithalten. Gut oder schlecht? Das liegt an euch... :)
In Saigon stellten wir uns früh zeitig den Wecker – 6 Uhr, und das soll noch Urlaub sein?! Ja, freiwillig, denn unser Bus sollte 8:45 fahren und wir wollten noch ein bisschen morgendliches Großstadtflair schnuppern. Wir spazierten eine Stunde durch die Straßen. Im Park waren die Vietnamesen gerade fleißig beim Morgensport – ob Badminton, interessante Dehnungsübungen, Gruppen-Morgengymnastik oder Paartanz, Hauptsache Bewegung. Die Straßen waren belebt wie eh und je und das Hupen der Hunderte von Motorrädern erklang, wohin man auch ging. Unser Weg führte uns zum Ben Thanh Market, ein berühmtes Marktgebäude in Saigon, wo es neben Essen auch Kleidung, Taschen, Schuhe, Tee, Kaffee, Gewürze und viele Souvenirs zu ersteigern gibt. Jedoch fanden noch die Aufbauarbeiten statt – merkwürdig, denn es war schon 7:30. Nun ja, wir spazierten trotzdem hindurch. Dagegen wurde am Rande der Straße schon allerlei Obst und Gemüse, Fisch und vieles mehr verkauft.


Tanz und Sport im Park
 



Aufbau des Ben Thanh Markt

 
 
Zurück im Hostel gab es Instant-Nudelsuppe zum Frühstück und mit Sack und Pack stolperten wir dann zum 500m entfernten Reisebüro, wo uns die Busgesellschaft abholen sollte. Wir wurden zunächst in einem Auto zu einer anderen Bustation gebracht, von der aus ein weiterer Kleinbus (nur Vietnamesen drin) uns zum eigentlichen, ca. 10km vom Zentrum entfernten Busbahnhof brachte. Wir ergatterten Plätze mit Beinfreiheit ganz hinten im Bus und schon ging's in 4h Richtung Can Tho, eine Stadt mit 1 Mio Einwohner mitten im Mekong Delta – das Epizentrum des Handels der Region. Wir wurden mit Dauerregen begrüßt. Da unser Hotel ca. 3km außerhalb des Stadtzentrums lag und – mal abgesehen vom Regen und den nicht vorhandenen Regencapes und verlorenen Regenschirm – die versprochenen Fahrräder for free alle in Gebrauch waren, entschieden wir uns für einen Nachmittag im Hotel. Es gab zunächst Mittagessen in einem lokalen Restaurant gegenüber mit viel zu scharf Pfeffer-gewürztem Reis für den Martin :( und dann wurde relaxt, Postkarten geschrieben und Siedler gespielt. Ja, das haben wir sogar mit und nun auch nicht mehr umsonst. ;) Martin hatte mich haushoch geschlagen – das schreit nach Revanche, allerdings erst wieder zu Hause. Am nächsten Tag wollten wir dann noch zeitiger aus dem Bett hüpfen.
 
 
Um 4:45 klingelte der Wecker. Ja, ihr habt richtig gehört. Wir haben uns endlich den Vietnamesen angepasst. ;) Um 5:30 wartete dann ein Ruderboot am Fluss auf uns. Ab hinein (nur wir zwei), Regendach hochgeklappt – es fing nämlich schon wieder an – und los ging's flussaufwärts Richtung der Floating Markets (Schwimmende Märkte). Für diese ist das Mekong Delta nämlich bekannt und der meiste Betrieb ist natürlich früh morgens. Und am besten stürzt man sich mit eigenem Boot mitten ins Getümmel. Allerdings nicht allein, eine fleißige Ruderin (keine Angst, wir hatten auch einen kleinen Motor dran) und eine vietnamesische Reiseführerin namens Ha waren auch an Board.
Den ersten Markt, den wir erreichten, hieß Cai Rang. Es ist der größere der beiden entlang des Flusses, der noch von großen und meist motorisierten Booten beherrscht wird. Bei dem Anblick mancher Boote wurden wir schon skeptisch, wie die sich überhaupt noch über Wasser halten können... Wir fuhren geradewegs hindurch, wir wussten gar nicht, wohin wir als ersten schauen sollten. Verkauft wird eigentlich genau das selbe wie auf jedem vietnamesischen Markt, nur auf dem Wasser eben. Hier kaufte Ha uns auch Frühstück: Cari-Suppe (Suppe mit frischer Kokosmilch, Hähnchenkeulen und Süßkartoffeln), Baguette, süße Reiskuchen (irgendein Bành, ich merk mir die Namen nicht...) und Ananas. Mmmmh! Sehr lecker!





 
Auf dem Weg zum zweiten Markt hielten wir in einer kleinen Reisfabrik (von gerade mal 8 Leuten betrieben) an, wo uns Ha die einzelnen Schritte der Reisbearbeitung erklärte sowie die Entstehung von Reisnudeln und Reispapier.

 
Phong Dien Market ist sehr viel kleiner, dafür besteht er allerdings aus fast ausschließlich Ruderbooten und ist dadurch noch viel bunter. Wir fuhren ebenfalls wieder direkt hinein und waren plötzlich von unzähligen Booten eingekesselt. Jeder versucht sich hier durchzukämpfen, Boote wegzuschieben und zueinander zu gelangen. Unsere Kameras klickten wie wild (also meine Spiegelreflex klickt, nicht die Digi von Martin... ihr wisst schon). Seht selbst:




 
Wir nahmen natürlich nicht den gleichen Weg zurück, sondern tuckerten entlang eines kleinen Kanals vorbei an Holzhüttchen auf Stelzen, Fischerbooten und vielen Palmen – darunter Wasserkokos, aus deren Blättern unsere Begleiterinnen die schönsten Dinge bastelten: Ring, Armband und Ohrringe, Blumen, einen Grashüpfer und einen Vogel. :)


Die Häuser entlang des Mekongs und seiner Flussarme sehen teilweise wirklich krass aus. Viele aus Holz und Wellblechdach, manche sogar nur aus Wellblech. Die Vietnamesen leben hier noch sehr einfach, waschen ihre Kleidung und spülen ihr Geschirr im Fluss und besorgen sich alles, was sie brauchen auf dem Markt. Und scheinen dennoch sehr zufrieden zu sein. An einigen Stellen war der kleine Fluss von Seerosen oder so etwas ähnlichem überwuchert. Ein paar mal bleiben wir dadurch stecken, aber nicht nur wir – auch ein paar andere vereinzelte Ruderboote mit Touristen, die den gleichen Weg gewählt hatten. Unsere Begleiterinnen hatten ihren Spaß dabei. ;)



 
In einem Restaurant wurden wir auf dem Weg abgeladen und bestellten uns etwas zu trinken – welches im Preis eigentlich enthalten sein sollte, war es aber nicht – und kleines zu Essen, denn das Frühstück war zwar lecker, aber nicht allzu reichhaltig gewesen. Am Nebentisch trank ein anderer Ruderer fröhlich Schnaps oder Reiswein (keine Ahnung) mit einem anderen Touri, hörte gar nicht mehr auf und begann dann auch noch Karaoke zu singen. Na, ob die wieder heil nach Hause gekommen sind... :) Auf der Rückfahrt begann es wieder zu regnen und hielt dann leider auch weiterhin an.


Deshalb entschieden wir, unsere eigentlich geplante Motorradtour vom Nachmittag auf den nächsten Vormittag zu verschieben. Es wurde wieder gefaulenzt und geschlafen (ich sogar 2 Stunden) und erst am Abend schwangen wir uns aufs Gefährt – Jana im Rock wieder seitlich :) - und düsten ins Stadtzentrum. Can Tho selbst ist kaum touristisch, außer der schwimmenden Märkte gibt es auch keine großartigen Sehenswürdigkeiten. Wir mischten uns unters Volk und aßen an verschiedenen Straßenimbissen Abendbrot und schlenderten über den Markt. Dort ersteigerten wir auch Martins Geburtstagsgeschenk – zwei echt coole Happy Buddhas. :) Ich probierte dann noch ein Ao Dai (ihr erinnert euch, die weibliche Festkleidung hier) an, was sogar recht gut aussah, aber doch nicht hundertprozentig passte. Entschied mich dann dagegen. Die Verkäuferin war wirklich hartnäckig und ging von ursprünglichen 700000 auf 500000 Dong am Ende runter. Das gleiche Modell haben wir übrigens auch in Saigon später gesehen für nur die Hälfte des Preises – na so was...
Am nächsten Tag sollte unser Bus um 13 Uhr fahren. Gegen 8:30 ging's ab mit dem Motorrad ins Hinterland, zunächst entlang einer stark befahrenen Hauptstraße mit einigen an LKWs und Bussen, was gar nicht so ohne war. Dann zu einem Tempel und schließlich durch kleine Dörfer auf 1 m breiten Wegen. Dort verirren sich sonst nie Touristen hin und wir wurden natürlich wieder mit großen Augen angestarrt und viele Leute winkten uns zu. Das war ein Spaß. Wir durften dann sogar noch das im Motorrad verstaute Regencape ausprobieren, denn natürlich blieb der Regen nicht aus. Es schien so, als ob Vietnam uns aus dem Land hinausspülen wollte... Auf der Rückfahrt fanden wir dann nicht die richtige Straße und verloren wertvolle Zeit. Als wir dann 12:15 am Hotel ankamen, wurde uns mitgeteilt, dass der Minibus, der uns zum Busbahnhof (nur 2 Minuten entfernt) bringen sollte schon weg wäre. Okay, dann eben ein Taxi. Wir checkten aus und 12:45 waren wir an der Haltestelle. Dort wurde uns dann netterweise mitgeteilt, dass der Bus an einem anderen Bahnhof abfahren sollte. Was unser Hotel anscheinend nicht wusste... super! Also ins nächste Taxi und weiter gings. Letztlich kam auch noch heraus, dass der Bus bereits 12:45 abfuhr – ebenfalls vom Hotel uns falsch mitgeteilt. Der war also weg, jedoch konnten wir zum Glück gleich den nächsten 13:15 noch nehmen. Aber das Hotel hatte in der Hinsicht einen ganz schön schlechten Eindruck hinterlassen – was sich übrigens noch in einer Bewertung zeigen muss – und wir waren etwas angepisst...


der Mekong - oder einer seiner großen Flussarme, ca. 1 km breit
 
 

 
Zurück in Saigon: wir hatten diesmal ein neues Hotel gewählt, etwas teurer und schicker, aber dafür gleich nahe der meisten Sehenswürdigkeiten. Und mit leckerem Frühstück – wichtig (v.a. Für Martin) für einen guten Start in der Tag. Saigon (oder auch Ho Chi Minh City – HCMC, hatte ich das schon mal erwähnt) hat nicht so sehr viel zu bieten, wodurch wir uns innerhalb eines einzigen Tages doch ein gutes Bild machen konnten. Zunächst ging's zum Ben Thanh Market, diesmal vollständig geöffnet zum Shopping – pssst! Martin hatte wieder Spaß beim Handeln. ;) Das Kriegsreste-Museum war mittags leider geschlossen, weshalb wir weiter zur Kathedrale liefen – eine große rote Backstein-Kirche inmitten der Stadt, zur Post, entlang des Boulevards vorbei an schicken Hotels und Boutiquen zur Oper und zurück ins Zentrum zum Mittagessen.








die Post in Saigon

 
Kokosnüsse mit Kokosmilch und Strohhalm - mmmh!
 
Als Backpacker ist man ja immer der Gefahr ausgesetzt, dass man irgendwo etwas liegen lässt – so oft, wie man ein- und auspackt. Dazu gehörten bei uns bereits: Regenschirm, Kopfhörer und Sonnencreme. Und jetzt auch noch Martin's MP3-Player, den er im Bus liegen gelassen hatte am Vortag. Da uns das Reisebüro mitteilte, dass wir zur Busstation in einem anderen Viertel fahren müssten, um dort nachzufragen, ob dieser gefunden wurde, hatte Martin nach dem Essen noch die wahnwitzige Idee, ein Motorrad zu mieten und selbst auf die Suche zu gehen. Wisst ihr noch, wie ich gesagt habe, dass das auf keinen Fall in Frage kommt... Ich habe nachgegeben – schließlich wäre ein Taxi viel zu teuer gewesen – und wir brausten schließlich doch noch 2 Stunden mit dem Motorrad durch Saigon. Zum Glück hatten wir mittlerweile sehr viel Fahrpraxis und Martin ist wirklich super gefahren. Es war trotzdem spannend und ein Spaß zugleich. Nur leider war unser eigentliches Anliegen ergebnislos, der MP3-Player war natürlich nicht auffindbar. War eigentlich klar, aber einen Versuch war's Wert. Dafür fuhren wir mit dem Motorrad noch auf die andere Seite des Flusses mit herrlichem Blick auf die wenigen Wolkenkratzer der Stadt. Und über den riesigen Kreisverkehr am Ben Thanh Market – Videos folgen bei unserer geplanten Diashow. ;)

 
Mit dem Taxi wurden wir dann gegen 18 Uhr zum Flughafen gebracht. Und dann hieß es bye bye Vietnam und hallo Bangkok. Zwei Tage in der 21 Mio Metropole folgten, der erste davon Martin's Geburtstag. :) Aber dazu berichtet euch das Geburtstagskind lieber selbst.

PS: Wir sind jetzt übrigens über Termez kurz hinter Kabul. Haben ungefähr die Hälfte der Strecke Bangkok – Helsinki hinter uns. :)

PSS: Und leider hat die Zeit in Helsinki nicht gereicht zum updaten und auf dem Berliner Flughafen hatte das WLan natürlich nicht funktioniert - Deutschland eben. Daher erst jetzt das Update.
 

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