Ein weitere Woche ist vergangen mit viel Arbeit - naja, wenn man 2,5 Stunden Mittagspause als Arbeit bezeichnen kann :-P - und tollen Erlebnissen. Wo fange ich da bloß an? Also...
Abdominalchirurgie-Woche: Gülsen und ich erschienen immer unpünktlich zur Morgenbesprechung und schlichen uns durch die Hintertür in den Konferenzraum... haben also das Vorurteil der deutschen Pünktlichkeit erfolgreich widerlegt. ;) Gegen 8:30 begannen immer die OPs: Tumore über Tumore - rektal, Colon (Dickdarm), ösophageal (Speiseröhre), mesenterial, Klatskin ..., Cholezystektomien (Gallenblasenentfernung), Megacolon, Hernien aller Art, Hämorrhoidenentfernungen u.v.m. Da im OP doch immer unglaublich viele Helfer da waren, konnten wir leider nicht assistieren. Aber durch die Wer-braucht-schon-Sicherheitsabstand-Regel hier in Vietnam kann man trotzdem alles haargenau mitverfolgen. Und wenn laparoskopisch operiert wurde (also mit Kamera) und dann auch noch der Chef selbst das Skalpell in die Hand nahm, verwandelte sich der Saal auch schnell mal in ein Kino - Rekord: 17 Schaulustige in einem Raum. :) Bilder während OPs habe ich bisher nur mit Handy gemacht - die gibt es dann zu Hause zu sehen, also lasst eurer Fantasie freien Lauf. Zwischen 12 und 14 Uhr (manchmal Beginn auch schon 11 oder 11:30 je nach Vormittags-OP) ist immer die berühmte Mittagspause der Vietnamesen mit Mittagessen und Mittagsschlaf. Gülsen hat die Gelegenheit genutzt und auf ein paar zusammengerückten Stühlen im Konferenzraum ein Nickerchen gehalten, ich dagegen habe fleißig Tagebuch geschrieben (hänge immer ein paar Tage zurück). Hier ein paar Bilder vom Alltag in Hue:
Gülsen und ich in Schale geworfen
OP-Plan der Woche - leider nur in Vietnamesisch - lesen wir immer fleißig und tun so, als ob wir alles verstehen würden :)
da pass ich 2x rein :)
leerer OP-Saal - besser als nix, oder?!
Mittagessen in der Cafeteria - für 20000 Dong, was ca. 80 Cent sind
Mittagessen im Park mit Anh - an 6 Tagen im Monat isst sie nur vegetarisch, wie z.B. am Freitag und somit hat sie Essen aus einem vegetarischen Restaurant für uns mitgebracht - mmmmh! :) Ich trinke jetzt übrigens auch Cafe sua = Kaffe mit Milch - mit Eis natürlich.
Am Dienstag hatte Gülsen Geburtstag und wir haben abends nach der Arbeit zusammen das Backpacker-Viertel unsicher gemacht, lecker gegessen und Huda-Bier (Bier aus Hue) und Cocktails getrunken. Donnerstag Abend war ich dann mit Anh auf den Night Market (Nachtmarkt) entlang des Flusses, wo es Sachen, Schuhe und Taschen, Bilder, Schmuck, Spielzeug und eine Menge Schnickschnack gibt. Danach tranken wir noch Chè - vietnamesische süße kalte (mit Eis - was sonst) Suppe, eine Art Dessert. Davon gibt es viele verschiedene mit unterschiedlichem Inhalt: Bohnen aller Art, Früchte und Samen (z.B. Lotussamen), Gelee-Gummitierartig, Pflanzenextrakte u.v.m. Ich hatte Chè bột lọc - wer will, kann es ja mal googlen. :) Bei Tung hatte ich mal Chè hạt sen getrunken - mit Lotussamen - sehr lecker! Hier also ein paar Fotos:
bunter Night Market - ist übrigens jeden Tag
Verkauf von Chè - mmh, erkennt man nicht so richtig - googlen! :)
Samstag früh habe ich dann um 8 Uhr den Bus nach Danang genommen. Da dieser in der Stadt losfuhr und ich ungern mein Fahrrad übers Wochenende dort abstellen wollte - ihr erinnert euch an das Fahrradschloss ;) - bin ich früh ca. 40 min hineingelaufen und habe mit meinem Teleobjektiv ein paar Bilder gemacht.
Bananen und andere Früchte werden überall am Straßenrand verkauft
Drachenboote am Song Huong
kleines Boot auf dem Song Huong
Tung holte mich zur Mittagszeit in Danang ab und wir gingen in ein Restaurant essen - bánh cuốn = Frühlingsrollen. Aber nicht so wie bei uns... nein, hier füllt und rollt man sich seine Frühlingsrollen selbst. :) Danach ging's zu Tung nach Hause zum Mittagsschlaf - ja, selbst für die kleine Jana diesmal, denn ich war ganz schön fertig von der Woche. Gegen um 5 fuhren wir dann alle zusammen mit 2 Motorrädern - ich mit Tung und Topi zwischen uns - zum Strand. Die meisten Vietnamesen gehen nur sehr zeitig früh (sogar schon um 5) oder abends vor dem Sonnenuntergang an der Strand, denn übern Tag hält man's dort kaum aus. Apropos früh - Anh steht immer um 4 Uhr auf zum Joggen und das ist gar keine so ungewöhnliche Zeit für Vietnam... ich kann mich ja an vieles gewöhnen, aber daran bestimmt nicht. Um 6 Uhr in der Woche reicht vollkommen aus! Zurück zum Strand - das Wasser war total warm und die Wellen der Hammer, riesig! Hat super viel Spaß gemacht. :) Nachdem wir alle Unmengen von Salzwasser geschluckt hatten, war es höchste Zeit fürs Abendessen: Mì Quảng, Nudeln aus der Region. Geschlafen habe ich dann wieder bei Phuong, der Nachbarin von gegenüber. Falls ihr euch noch erinnert - aus dem einen kleinen Kätzchen sind nun drei geworden. Ihnen sind noch 2 weitere zugelaufen. Ach, da hat sich Jana aber gefreut - super süß! :)
Am nächsten Morgen haben Tung und ich uns auf sein Motorrad geschwungen und sind zur Linh Ứng Pagode - nahe Danang gefahren, welche am Meer auf einem Berg steht. Von Weitem kann man schon die weiße (hochhaushohe) Statue eines weiblichen Buddhas erkennen. Der Ort ist wunderschön, die Pagode reich geschmückt und der Blick auf die Stadt und das Meer atemberaubend. Nur die Hitze zwingt einen, sich von einem Schatten zum anderen zu retten. Nach dem Mittagessen ging es dann auch schon wieder mit dem Bus Richtung "Heimat" - zusammen mit Tung, da dieser die Woche über in Hue Konferenzen hat. Wenn der Bus übrigens überfüllt ist, sitzen einige Fahrgäste dann im Gang auf Plastikstühlen und Hockern. ;) Zum Glück war für mich noch Sitz frei und zwar neben einer Australierin aus Perth (Dawn) um die 50 Jahre alt, die alleine einen Monat durch Vietnam backpackt - ohne Tour und alles. Sie meinte nur: einmal Backpacker, immer Backpacker. :) Sieht man auch nicht alle Tage.
Noch eine weitere tolle Begegnung des Wochenendes: der Bus zwischen Hue und Danang stoppt immer für eine halbe Stunde in einem kleinen Dorf. Wenn man ein paar Meter einen Weg hinterläuft, kommt man an einen wunderschönen See, umgeben von Bergen. Dort habe ich auf meiner Hinfahrt Hue kennengelernt (ja, wie die Stadt). Sie saß auf dem Boden und bot mir etwas von ihrer Pomelp-ähnlichen Frucht an. Setze mich zu ihr und wir kamen ins Gespräch - ihr Englisch war wirklich gut. Sie lebt gleich am See mit ihrem 8-jährigen Sohn und einem Baby. Und hatte eine große Sammlung an ausländischen Münzen und Geldscheinen bei sich, von der sie mir einiges schenkte, während ich ihr deutsche Euro-Münzen gab. Wir haben Telefonnummern ausgetauscht (was in Vietnam oft bei jeder kleinen Begegnung passiert) und sie meinte, dass nächste mal sollte ich doch eine Nacht bei ihr verbringen und sie würde mir die Umgebung zeigen. Tja, das ist Vietnam. :) Und nun noch ein paar Fotos vom Wochenende:
Frühlingsrollen - oder zumindest die Zutaten dafür ;)
mit den Motorrädern am Strand
Linh Ứng Pagode
weibliche Buddha-Statue
im Inneren der Pagode
Blick nach Danang (mit Frangipani im Vordergrund :-D )
Räucherstäbchen vor dem Tempel
Lotusblüte - Vietnams Nationalblume
See in den Bergen am Busstopp
Hue mit ihren zwei Kindern und mir - hihi, ich bin größer :)
Bin hier überhaupt größer als viele Vietnamesen, ein tolles Gefühl. ;)
Puh, das war's! Sollte das nächste mal schneller updaten, dann ist das auch kein so abendfüllendes Programm...
Ich hoffe, euch hat's gefallen. Für Kommentare und Anregungen: siehe Link unten. :)
Bis bald, eure Jana
PS: Ich weiß, ich habe euch Videos versprochen... Allerdings ist mein Inet wahrscheinlich zu langsam, das updaten klappt nicht. Aber ich werde versuchen, schnelleres irgendwo aufzutreiben und dann gibt's vietnamesischen Verkehr live. ;)
Juhuuu, juhuuu! Ich hab den ganzen Abend gewartet- Physikumsablenkung!
AntwortenLöschenDie Bilder sind wirklich toll geworden, liebe Jana!
Das klingt alles so fantastisch- und ich habe jetzt Appetit auf asiatisches essen bekommen;)
Ach, Jana, so viele bunte Bilder und du mittendrin - schön!
AntwortenLöschenEs grüßt dich ganz lieb
deine Rike
Auch wenn ich schon vieles am Wochenende von Dir gehört hatte, so habe ich trotzdem sehnsüchtig auf den nächsten Eintrag gewartet. Wie hälst Du es in der Hitze eigentlich aus?? Wir proben auch gerade bissel Vietnam mit knapp 40 Grad gestern in Dresden - es ist der Wahnsinn und mir ist völlig klar, warum die Vietnamesen Mittagsruhe halten (das ist einfach kein Wetter zum Arbeiten). Also - schwitze weiter schön vor Dich hin un fang endlich mal selbst an zu operieren :)
AntwortenLöschenEndlich wird es hier auch mal warm..ich dachte schon, ich muss den ganzen Sommer in Deutschland frieren. :D Oh Jana..ich werde dich bei den Temperaturen nicht knuddeln, sondern eher kochen. ;)
AntwortenLöschenUnd endlich nicht nur Fotos von Nahrungsmitteln und Krankenhausinterior, sondern auch mal wunderschöne Bilder von dieser traumhaften Natur und Landschaft..einfach nur wow..die Bilder für den Vortrag kommen langsam zusammen sehr schön. :)
Ich schaff es mittlerweile auch gut mich abzulenken, gestern 16h Arbeitstag und irgendwie fühle ich mich noch immer nicht urlaubsreif, aber da kommt ja noch die application für New York und der Umzug und meine Abschiedsevents..mal schauen, ob ich es pünktlich zum Flughafen schaffen. Apropos..ich sollte mein Visum dann doch mal so langsam..:P
Ich wünsch dir eine tolle Zeit da und du musst alles für mich schonmal vorkosten und ausprobieren..hihi..
Vielen Dank für den schönen Bericht und die tollen Bilder - insbesondere natürlich die schöne Buddhastatue! Das ist ja wirklich der Wahnsinn. Ich hoffe du hattest auch eine schöne dritte Woche im Krankenhaus. Ich war auch fleißig und habe nun schon 20 Seiten meiner Arbeit geschafft. Der praktische Teil wartet nun noch, aber das wird schon. Und kommende Woche geht's ja in der Schule dann auch schon wieder mit der Vorbereitung los.
AntwortenLöschenSei gedrückt und genieße das Wochenende!
Dein Brüderchen