Montag, 13. August 2012

Es war einmal ein Kaiser...

... namens Gia Long - und der begann 1802 mit dem Bau einer prachtvollen Zitadelle neben dem Song Huong in Hue. Diese sollte nicht nur eine Festung werden, sondern gleichzeitig eine Wohnstadt für die kaiserliche Familie und die Beamten. Somit entstand eine "Stadt in der Stadt", von einer Mauer umgeben, mit eigenen Dörfern, künstlichen Bergen und Seen, Tempeln und Alleen. Und in der Mitte lagen die kaiserlichen Paläste.
Dies war also mein auserkorenes Ziel am Samstag. Mit dem Fahrrad ging es über die Brücke, am Flaggenturm vorbei und durchs Tor der Stadtmauer. Und das erst gegen 10 Uhr (ab und zu brauche ich auch Schlaf!) - was keine so gute Idee war, denn in der Mittagshitze den Tag draußen zu verbringen, ist nicht gerade ein Zuckerschlecken. Aber zum Glück blieb die Sonne meist hinter Wolken verborgen - was hier in Vietnam eine echte Erleichterung ist, obwohl ich ja blauen Himmel zum Fotografieren bevorzuge. Mein Fahrrad blieb vor der Stadtmauer stehen - und das zum Glück bis zu meiner Rückkehr. Ihr müsst wissen, dass mein Schloss nicht gerade sehr vertrauenserweckend ist. Als Aaron letzten Mittwoch Abend (bei unserem "Date" mit Dr. Hung) seinen Schlüssel fürs Fahrradschloss nicht mehr fand, wurde kurzerhand ein großes Messer aus der Küche geholt und mit 3 Hieben war das Schloss Matsch. Wer also mein Fahrrad wirklich haben will... :P
Die kaiserlichen Paläste - die eigentliche Sehenswürdigkeit - sind nochmals von einer Mauer umgeben, kosten Eintritt (nur so 3 Euro) und laden zum Herumschlendern und Erkunden ein. Hinterm sogenannten Mittagstor (Ngo Mon), durch welches man das Innere betritt, liegt ein mehrere 100 m² großes Gebiet mit unzähligen Gebäuden. Da die Stadt 1968 in der Tet-Offensive im Vietnamkrieg stark bombardiert wurde, sind heute von den ehemals 300 Gebäuden nur noch ca. 80 zu erkennen und viele davon sind verfallen und nur noch Ruinen. In den letzten Jahres wurden jedoch viele Gebäude wieder aufgebaut und die Restaurierungsarbeiten halten bis heute an. Zu denen zählen die Halle der höchsten Harmonie (Dien Thai Hoa), die einem Thronsaal gleicht und dem Empfang von Gesandten und der Ausrichtung von Feierlichkeiten diente (drinnen ist Fotografieren verboten und Jana hat sich auch fein daran gehalten). Weiterhin das Theater, die Bibliothek, Pavillons, der Tempel der Ahnen, der Generationentempel und einige mehr. Letztere ist reich geschmückt und beinhaltet 10 Altare der einstigen Kaiser. Auf dem Hof davor stehen die neun dynastischen Urnen, jeweils 2m hoch, aus Bronze gegossen und mit Ornamenten (meist Landschaftsbildern) versehen, die die Schönheit und Einzigartigkeit Vietnams preisen sollen. Hier also ein paar Impressionen - ist ja sonst schwer vorzustellen:


Flaggenturm am Rande der Zitadelle (Frangipanibäume!)


Mittagstor (Ngo Mon), Eingang zu den kaiserlichen Palästen


Drachen auf dem Dach der Halle der höchsten Harmonie (Dien Thai Hoa)



im Inneren des Theaters


frisch gestrichene rot-goldene Türen

Frangipani natürlich - überall :D


täglicher vietnamesischer Mittagsschlaf

Generationenhalle mit der meistverzierten Urne, welche Kaiser Gia Long zugedacht war


Generationenhalle von innen

 


Selbstportrait (mit meinem tollen neuen Ministativ) und eines der reich verzierten zahlreichen Tore


Sonntag traf ich mich dann nachmittags mit Anh, einer vietnamesischen Studentin, die ich im Park kennengelernt hatte. Sie hatte mir angeboten, abends zum Sonnenuntergang mal mit ihrem Motorrad zum 15 km entfernten Strand zu fahren. Sie ist super lieb und freut sich, mir alles zeigen zu können und jemanden zum Englisch üben zu haben. ;) Der Strand war voller Menschen - kein Wunder, bei der Hitze - aber super schön. Habe das Meer richtig vermisst. War baden - ohne Anh, sie kann nicht schwimmen - wie so einige Vietnamesen, denn wer nicht gerade am Meer wohnt, lernt es hier nicht unbedingt. Und haben viele Fotos gemacht, Anh war begeistert von meiner Kamera. ;) Waren danach noch in Hue zusammen essen in einem Imbiss direkt auf dem Bürgersteig. Saßen auf mini Hockern und aßen Bènh Khoai - mmmh. Hier die Bilder:



Und dann stoppten wir noch in einem Coffe House am Song Huong, wo ich meinen ersten vietnamesischen Kaffee trank - mit Eis, ganz typisch. ;) Denn in Vietnam wird Kaffee selbst angebaut und ist sehr bekannt, musste ich also mal probieren. War gar nicht so übel, vielleicht entwickle ich mich hier ja noch zum Kaffeetrinker.

Heute hatte ich dann meinen ersten Tag in der Abdominal- und Kinderchirurgie (eine Abteilung). Traf dort eine weitere deutsche Studentin - Gülsen - die hier 2 Monate ihres Chirurgie-Tertials des PJ verbringt - hatte heute ihren ersten Tag. Hier können anscheinened so einige Ärzte Englisch, einer lernt sogar gerade Deutsch. ;) Sahen heute eine Megacolon-OP eines Babies und mehrere laparoskopische Cholezystektomien (Gallenblasenentfernung). Werden auch hier meist im OP sein und sonst nur an der Morgenbesprechung teilnehmen (die aber nur an 2 Tagen der Woche in Englisch (oder Französisch) ist, sonst Vietnamesisch. War ein schöner Auftakt heute, die Woche wird bestimmt interessant.

Habe noch ein paar Videos auf dem Weg nach Hause heute gemacht. Allerdings dauert das hochladen gerade ewig und ich muss ins Bett. Reiche diese also morgen nach. ;)

Ganz liebe Grüße von eurer Jana und bis bald!

3 Kommentare:

  1. In der Halbzeitpause des Dynamo-Montagsspieles gegen 1860 München (1:1 im Moment) haben wir uns Deinen neusten Eintrag zu Gemüte geführt - wie immer sooooo schön geschrieben und super interessant. Fragen uns nur, wie Du das bei der Hitze aushälst und ob Du auch bald jeden Tag Dein Mittagsschläfchen machst! Viel Spaß weiter mit Deinen Haustieren (sind die Spinnen nun giftig??) und lass Deinen Hund (Hündin?) nicht verhungern. Bis morgen zum Skypen....

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  2. Aber Jana, man veröffentlicht doch nicht in seinem überall auffindbaren Bolg, wie leicht sich das eigene Rad klauen lässt, oder sprechen alle Vietnamesen so schlechtes Deutsch? ;)

    Ich kann wirklich nur hoffen, dass du die Gelegenheit nutzen konntest, endlich diese Asiaten zu fragen, wieso auch immer sie ständig auf jedem Foto Mittel- und Ziegefinger zu einem V auseinaderspreizen, das ist mir noch immer ein Rätsel..:D

    Und jetzt erkläre mir doch einmal, wieso man denn Kaffee trinken muss oder sich daran gewöhnen sollte. Ich mein das wäre ja wie als würde ich keinen Alkohol mögen, aber möchte den ganzen Alkoholikern gefallen. Vom Rauchen wollen wir lieber garnicht reden. Ich kündige es hier schon jetzt einmal an, mein Charakter dürfte so stark sein, dass ich cih selbst bleibe..:P

    Die Bilder sind aber wirklich superschön, echt toll..so allmählich stellt sich dann doch auch bei mir die Vorfreude ein. Vor allem die Kombination aus Arbeiten, Land und Leute kennen lernen, verbunden mit ein wenig Verantwortung über Haus, Hof und Hund, wie als würdest du schon immer da wohnen. Du glaubst garnicht, welches Glück du getroffen hast. :)

    Ich hoffe du schießt auch genügend Bilder, damit wir dann unsere spektakuläre Dia-Show-Tour durch Deutschland..oh..das durfte ich noch nicht verraten oder? ;) :D

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  3. Ach dieser Blog eignet sich ganz wunderbar zum Pause machen zwischen den Schulbüchern und zur Ablenkung! Und dann noch die schönen Bilder - fantastisch, mehr!!

    Ich freu mich für dich, dass du trotz der Arbeit die Zeit findest, die Gegend schon jetzt zu erkunden und so Land und Leute ganz nah - eben nicht nur als Tourist - kennen zu lernen. Ich denke die Art der Landeserkundung - mit Arbeit und anschließendem Reisen - ist etwas ganz Besonderes. Genieß die Zeit und pass weiter auf dich auf!

    Sei gegrüßt mit Hahnenschrei und Hundegebell aus Bonnewitz! (:

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