Freitag, 31. August 2012

Babyalarm!!!

Ich bin zurück und diesmal mit spannenden Geschichten aus der Gynäkologie. :)
Ich habe gerade meine letzte Woche im Krankenhaus abgeschlossen... Nun ja, eigentlich wäre heute mein letzter Tag, aber da ich bereits meinen Famulaturnachweis in der Tasche habe und heute mit Gülsen nach Hoi An für's Wochenende fahre, schwänze ich meinen letzten Arbeitstag... Ohoh, ich weiß - böse Jana! Hoi An ist 4 Stunden Busfahrt Richtung Süden von Hue entfernt und da heute das berühmte Lichterfest dort stattfindet (nur 1 mal pro Monat), wo die gesamte Stadt abends nur durch Laternen und Kerzen erhellt wird, können wir natürlich keinen Tag später fahren. :) So, musste mich jetzt rechtfertigen um ein reines Gewissen zu haben, hihi. Jetzt aber zur meiner Gynäkologiewoche - und die Erzählungen lohnen sich auch für Nichtmediziner:
Montag wurde ich zum extra Gebäudekomplex des Departements gebracht und bin in der Morgenbesprechung fast eingeschlafen. Die ging nämlich 1 Stunde und war nur auf Vietnamesisch. Habe die nächsten Tage dann immer mein Tagebuch währenddessen geschrieben. Andere Ärzte haben übrigens mit ihren Smartphones gespielt oder Zeitung gelesen... sehr aufmerksames Publikum. ;) Montag ging es dann ab in den OP für mich. Dr. Tu, welcher sehr gut Englisch und sogar ein wenig Deutsch spricht, nahm mich mit und ließ mich auch bei seinen OPs assistieren. Der OP-Trakt ist hier sehr viel älter und längst nicht so gut ausgestattet wie in den anderen chirurgischen Departements. In einem OP-Saal wurden immer gleich 2 Frauen nebeneinander operiert. Fast jede OP wurde mit Spinalanästhesie gemacht, so dass die Patientinnen die ganze Zeit wach waren. Und das bei Kaiserschnitten (einer nach dem anderen, hintereinnanderweg) und offenen Hysterektomien (Gebärmutterentfernungen). Hatten außerdem noch eine Myom-Entfernung (gutartiger Tumor des Gebärmutter), das übrigens riesig (ca. 10 cm Durchmesser) war und mehrere Wundinfektionssäuberungen. Mir hat ein Arzt hier erzählt, dass sie i.d.R. um die 15 - 20 Kaiserschnitte pro Tag haben - kann ich immer noch nicht glauben. Die Schwangerschaftsbetreuung wird hier nur mit CTG (wovon es auch nur 1 im Haus gibt) gemacht, welches die Herzfrequenz und die Wehentätigkeit misst und nicht immer verlässlich Aussage über den Zustand des Babies gibt. Da es keine anderen, präziseren Verfahren zur Kontrolle gibt, werden bei Anzeichen des fetalen Distress hier sehr schnell Kaiserschnitte durchgeführt. Übrigens: die nächsten Frauen warten immer schon vor den OP-Räumen, eingewickelt nur in weiße Laken, um dann fast zeitgleich mit dem Ende einer OP den Saal zu betreten und sich auf den OP-Tisch zu legen. Und dabei können sie gemütlich die OP der Nachbarin mitverfolgen, denn Trennvorhänge oder ähnliches gibt es nicht.
Dienstag war ich dann leider krank - erkältet und meine Stimme war früh fast weg, entschied mich daher zu Hause zu bleiben und mich einen Tag zu schonen, damit mich's nicht ganz aus der Bahn wirft.
Mittwoch war ich dann zum ersten mal im Kreissaal - hier Delivery Room. Auf dem Weg dorthin muss man sich erst mal durch die Menge an Schwangeren und Familenangehörigen drängeln, die den Gang davor belagern. Ich habe ja leider noch keinen Vergleich zu den Verhältnissen bei uns in Deutschland, aber geschockt war ich trotzdem. Die Räume sind auch hier sehr spartanisch ausgestattet und die Türen stehen immer offen, so dass jede Frau, die als nächstes dran ist, bereits sieht was ihr blüht. Eine Geburt ist eine blutige Angelegenheit, v.a. hier - denn zu meinem Entsetzen wird hier bei fast jeder Geburt (soweit ich weiß jedes erstes Kind und natürlich bei Komplikationen) ein Dammschnitt gemacht. Am Vormittag hatten wir nur eine Geburt währenddessen am Nachmittag dann alle wild durcheinander rannten - 8 Geburten in knapp 3 Stunden. Der Raum, in dem die Kleinen dann gesäubert, angezogen, in Decken eingewickelt und gelegt werden, bot kaum noch Platz. Da durfte ich dann auch eine Baby selbst zur Welt bringen (also nicht meins :P), natürlich mit Hilfe, aber letztlich mit meinen eigenen Händen - juhu! :) Ansonsten hat man fleißig assistiert oder einfach nur zugeschaut. Es waren auch noch andere vietnamesische Studenten vor Ort. Donnerstag verbrachte ich ebenfalls im Kreissaal.
Puh, soviel zur Arbeit. Nun hoffe ich natürlich, dass meine Famulatur auch anerkannt wird - das wird bestimmt noch ein Kampf, ohoh!
In der Woche wurde ich dann auch wieder 2 mal zu Essen eingeladen, einmal in ein super leckeres und hübsches vegetarisches Restaurant zum Mittagessen (Martin, da müssen wir hin!) und zum Abendessen und auf einen Kaffee nach der Arbeit. Nicht zum Trinken, keine Angst! ;)
Gestern Abend waren Gülsen und ich dann mit Anh in Hue unterwegs. Sind zunächst auch Abendessen gefahren und danach zu einer Pagode, in der Festlichkeiten für den bevorstehenden Muttertag stattfanden. Das eigentliche Fest - viel größer - ist eigentlich heute (Freitag), aber da wir ja nach Hoi An fahren, begnügten wir uns mit dem bunten Treiben im kleineren Trakt des Tempels. Am Muttertag kommen alle Gläubige in den Tempel, singen, beten und feiern zusammen. Nach der Zeremonie werden dann an alle kleine Blumen verteilt, die vorher gesegnet wurden  - die Farbe ist abhängig davon, ob die eigenen Eltern noch leben oder nicht. Rosa Blume mit grünem Blatt steht für beide Eltern noch am Leben, weiße Blume mit grünem Blatt für Mutter verstorben, rosa Blume mit weißem Blatt für Vater verstorben und beides weiß für beide verstorben. Da die Zeremonien noch bis Mitternacht angedauert hätten, fragte Anh nach, ob wir auch schon jetzt eine Blume bekommen könnten. Diese wurden dann extra für uns schon vorher gesegnet. :) Danach fuhren wir noch Che - vietnamesische süße Suppe, wenn ihr euch erinnert - essen und dann ging's nach Hause.
Und da dieser Roman für's erste wieder mal reicht, mache ich hier Schluss und schreibe nach dem Wochenende nochmal was über Hoi An - dann mit Bildern natürlich. ;) Hochladen dauert leider zu lange jetzt, muss bald los.
Fühlt euch ganz lieb gedrückt von mir,
eure Jana
PS: Die Reisevorbereitungen laufen - juhu - und mein Nachtbus nach Hanoi ist gebucht, werde Dienstag früh dort eintreffen - Mittag kommt dann Martin an... falls alles mit den Flügen klappt. :D

2 Kommentare:

  1. Naja, da der Frankfurter Flughafen kräftig bestreikt wird, ist Martins Ankunft noch lange nicht gesichert....aber irgendwann wird er schon eintreffen, falls das Visum da ist :) Deinen Kulturschock im Kreißsaal hast Du ja nun weg, hoffentlich hat das keine bleibenden Schäden hinterlassen! Wäre doch schrecklich.... Wir sitzen im ausgeräumten Wohnzimmer und morgen geht es so richtig ans Renovieren, das wird ein Spaß! Pass auf Dich auf und tschüß bis Sonntag Abend, wir freuen uns schon aufs Skypen!!!

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  2. Ein wunderbarer Bericht, sehr schön zu lesen. Und herzlichen Glückwunsch zur bestandenen - oder sollte ich eher "überstandenen" - Famulatur sagen!? Jetzt ist Urlaub angesagt. :) Und den hast du dir redlich verdient, während hier unser einer - also ich spreche jetzt von mir - ab Montag wieder richtig arbeiten muss. Heute war Schuleinführung bei uns - überall in Sachsen kleine Kinder mit Zuckertüten und bei uns in der Schule ein gelungenes Programm für die kleinen - da war ich aber froh und stolz, als sie das so schön gemeistert hatten. Die letzte Woche verging bei mir schon in der Schule mit zahlreichen Vorbereitungen für das kommende Schuljahr. In unserer Schule wurde ja so viel gebaut, weil wir doch das zweite Gebäude dazubekommen haben. Alles ganz aufregend, aber irgendwie scheinen es die Bauarbeiter dorch geschafft zu haben. :) Es kann also losgehen - in den Kindertaumel und durch Vietnam - ein gemeinsamer Neubeginn mit sicher vielen tollen Erlebnissen! Genieße den deinen! :)

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